Badelt fordert Ende der "Wettbewerbsverzerrung"

8. November 2005, 10:40
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Auswahlrecht für Master- und Doktorats-Studenten, "signifikante Aufstockung" des FWF-Budgets - Kritik am Endbericht: Nur ein Satz zu Vernetzung mit Unis

"Mit Amüsement" hat Rektoren-Chef Christoph Badelt die Aussage des Experimentalphysikers Anton Zeilinger vernommen, dass die bestehenden Unis im Zusammenhang mit der als "Austrian Institute for Advanced Science and Technology" (AIAST) geplanten Elite-Universität zu ängstlich agierten.

Mehr Geld für Unis

"Da irrt er sich", so Badelt gegenüber der APA. Man beobachte die Diskussion mit großem Interesse, ärgere sich aber über die "Wettbewerbsverzerrungen" zwischen den Universitäten und anderen Einrichtungen.

In der Forschung würden an den Universitäten etwa zahlreiche Exzellenzzentren existieren, deren Projekte an der mangelnden Dotation des Wissenschaftsfonds FWF scheiterten. Dessen Budget müsse "signifikant aufgestockt" werden.

Badelt will sich StudentInnen aussuchen

"Noch viel krasser" sei die Situation bei der Auswahl der Studenten: Es wäre "höchst ärgerlich, wenn man zum dritten Mal neue Einrichtungen schafft, die bessere Bedingungen als die Universitäten" haben, meinte Badelt. Sowohl die in den vergangenen Jahren geschaffenen Fachhochschulen und die Privatunis als auch die nun geplante neue Einrichtung würden sich ihre Studenten aussuchen können.

Gleiches müsse auch zumindest für die Doktorat-Studenten an den Unis gelten, künftig auch für die neuen Master-Studenten. Mit dieser Forderung stoße er in kleinem Kreis bei Politikern aller Couleurs auf Zustimmung: "Nur passiert ist noch nichts", meinte Badelt.

"Ineffiziente Einrichtung"

Kritik am Endbericht der vom Bildungsministerium eingesetzten Arbeitsgruppe zur Elite-Uni übte Badelt in der Frage der Vernetzung zwischen dem AIAST und den bestehenden Universitäten. Es wäre "ineffizient, eine neue Einrichtung auf die Wiese zu stellen, ohne eine Kooperation zu suchen". Eine solche Vernetzung könne sowohl personell als auch durch die Infrastruktur wie gemeinsame Labors passieren. Im Papier finde sich aber nur ein einziger Satz dazu, dass eine Vernetzung "durch geeignete Instrumente begünstigt werden soll". "Ich habe nicht den Eindruck, dass man sich schon Gedanken darüber gemacht hat", meinte Badelt. Für sekundär hält er hingegen die Frage der Rechtsform des AIAST, die im Arbeitspapier umfangreich behandelt wird.

Frisches Geld gibts nicht

Zur Zusage, dass es sich bei den Mitteln für die Elite-Uni um frisches Geld handeln werde, meinte Badelt "als Volkswirt: Absolut frisches Geld gibt's nicht." Als Realpolitiker freue er sich aber natürlich darüber, dass es eine Forschungsmilliarde gebe. Neben der neuen Einrichtung und der angewandten Forschung würden auch die Unis Anspruch auf einen "signifikanten Teil" anmelden - einerseits in Konkurrenz mit anderen Einrichtungen für Forschungsprojekte, andererseits aber auch für Infrastruktur-Ausgaben im Grundbudget.

Derzeit würden die Unis ihre Entwicklungspläne erstellen, deren Vorhaben auch finanziert werden müssen, meinte Badelt: "Es wäre ja sinnlos, die Unis daran arbeiten zu lassen und dann zu sagen, es gibt kein Geld." Diese Pläne würden ja nicht der "Eitelkeit einzelner Professoren" entspringen, sondern seien von den Uni-Räten als Aufsichtsgremien genehmigt, in denen von der Regierung entsandte Vertreter säßen. (APA)

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