Laute Pfiffe für Blatter, späte für Abseits

11. Juli 2005, 15:06
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FIFA-Präsident zeigte sich verwundert - Kahn übt Kritik

Frankfurt - Groß die Aufregung, groß das Aufatmen. Während zum Auftakt des Fußball-WM-Vorgeplänkels alias Confederations Cups in Deutschland die Favoriten mit Glück erfolgreich blieben, Argentinien also Tunesien 2:1 sowie Deutschland Australien 4:3 schlug, gab's da und dort auch kleine Pannen und laute Kritik an der neuen Abseitsregel-Handhabung.

Alles begann damit, dass FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bei der Eröffnungsfeier in Frankfurt mit Pfiffen bedacht wurde und sich wunderte: "Ich dachte, wir sind zu Gast bei Freunden." Die Akustik indes ließ zu wünschen übrig, in der Halbzeitpause ging das Bier aus, Damen-Toiletten waren teilweise abgeschlossen, auf der Pressetribüne fiel zweimal der Strom aus. Und der Stadionsprecher versprach sich gleich mehrmals bei der zweisprachigen Präsentation der Mannschaften.

Und natürlich hat sich Oliver Kahn zu Wort gemeldet und sich über die veränderte Handhabung der Abseitsregel aufgeregt. "Ich dachte, man hat sich Gedanken gemacht, wie das unsägliche passive Abseits abgeschafft wird. Aber das Gegenteil ist der Fall", sagte der deutsche Torwart gestern. "Ich verstehe nicht, warum man die Regel jetzt noch verkompliziert hat." Die Schiedsrichter-Assistenten wurden von der FIFA angehalten, bei einer Abseitsstellung erst dann die Fahne zu heben, wenn der Spieler den Ball berührt. Dadurch entstand bei den überwiegend noch nicht darüber informierten Zuschauern aber der Eindruck, dass die Abseitsstellung vom Schiri-Team viel zu spät erkannt worden war.

Mit der Anweisung wollte die FIFA die leidige Diskussion um das passive Abseits beenden, letztlich sorgte sie für neuen Gesprächsstoff. Im Frühjahr hatte die Regelkommission des Weltverbandes FIFA die Auslegung modifiziert, damit die auf den verschiedenen Kontinenten unterschiedlich interpretierte Abseitsregel einheitlich angewandt werden soll. (DER STANDARD Printausgabe 17.06.2005)

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