Red Bull startet am Ring noch einmal durch

12. Juli 2005, 15:16
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Nach Aus für Motorsport-"Jahr­hundertprojekt" am A1-Ring versucht es Red Bull nun mit einer abgespeckten Variante

Graz/Spielberg - Red-Bull- Chef Dietrich Mateschitz ist bereit, sein Versprechen einzulösen und den A1-Ring in Spielberg wieder aufzubauen. Um ihn künftig als Prüf-, Test und Incentivestrecke zu nützen. Dies hat Red Bull in einer - per Fax mitgeteilten - "Absichtserklärung" Landeshauptfrau Waltraud Klasnic wissen lassen.

Mateschitz stellt aber eine Bedingung: Er engagiert sich erst, wenn das Land vorher ein baureifes Projekt mit allen gültigen Genehmigungen vorlegt. "Erst nach behördlicher Genehmigung wird das Projekt zur Finanzierung, Durchführung und Inbetriebnahme an die Industriepartner übergeben", heißt es wörtlich im Letter of intent.

Der Bundesumweltsenat hatte das alte 700-Mio-Euro-Projekt, das die Errichtung einer Flugakademie, eines Top- hotels und mehrerer Strecken vorsah, wegen grober formaler Mängel zurückgewiesen. Das jetzige von Klasnic als "Spielberg Neu" titulierte Vorhaben ist eine abgespeckte Variante dieses ursprünglichen "Jahrhundertprojektes" und beinhaltet den Wiederaufbau der Rennstrecke, der im Zuge der Vorarbeiten für das große Projekt teilweise bereits abgerissen wurde und nun vordringlich als Teststrecke für Autohersteller adaptiert werden soll. Das Investitionsvolumen, das Red Bull mit Industriepartnern (eventuell Audi und KTM) aufbringen will: rund 100 bis 150 Mio. Euro.

Die Vorbereitung des Projektes übernimmt eine vom Land eingerichtete "Projektentwicklungs GesmbH", die von Pankl-Racing-Chef Ernst Wustinger geleitet wird und in der Wirtschaftstreibende wie der Chef der Hereschwerke Gilbert Fritzberg - er ist auch Parteifinanzreferent der steirischen VP - vertreten sind.

Wustinger hofft, dass langfristig auch wieder Formel-1-Rennen organisiert werden können. Vordringlich sei aber die Ganzjahresauslastung des neuen Ringes, der laut Plan 2008 fertig gestellt sein könnte. "Wenn keine Berufungen einlangen", fügte Waltraud Klasnic bei der am Donnerstag eilig einberufenen Pressekonferenz hinzu. Ein kritischer Punkt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist abermals mit Einsprüchen im Rahmen des UVP-Verfahrens gegen einen Ganzjahresbetrieb zu rechnen. Daher befallen den Spielberger Bürgermeister Kurt Binderbauer neben der Freude über die Rückkehr von Red Bull auch Zweifel. Binderbauer zum STANDARD: "Ob es klappt, werden wir ja erst nach den Landtagswahlen im Herbst sehen. Ich bin erst dann glücklich, wenn ich die Bagger sehe. Ich glaube nur mehr, was ich sehe und höre."

Grüne skeptisch

Darauf spielen auch die skeptischen Grünen an: Landesparteichefin Ingrid Lechner-Sonnek: "Spielberg Neu erinnert mich an den schon x-mal gebauten Semmeringbasistunnel." SPÖ-Chef Franz Voves unterstützt den neuerlichen Anlauf, allerdings mit einem Seitenhieb an Klasnic: "Man darf dabei nicht übersehen, welche Jahrhundertchance beim ursprünglichen Großprojekt verbockt wurde."

Neben der Verfahren ist auch noch die für ein derartiges Projekt notwendige Fluganbindung ungeklärt. Da künftig alle Eurofighter im nahen Flughafen Zeltweg stationiert werden, wird bezweifelt, ob zivile Flüge noch erlaubt sein werden.

Dietrich Mateschitz selbst dürfte das neue, kleine Projekt jedenfalls nicht mit großer Euphorie betreiben. In einem STANDARD-Interview sagte er vor drei Wochen über eine minimierte Variante: "Was übrig bleibt, wenn sie es abspecken, ist eine Rennstrecke, wo es kein Formel-1-Rennen mehr gibt, in einer Gegend, wo sie fünf oder sechs Monate im Jahr testen können. Das ist nicht viel." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2005)

  • Bis 2008 soll zumindest die Rennstrecke wiederhergestellt werden. Das Land muss aber vorher alle Genehmigungen sichern.
    foto: standard/peter philipp

    Bis 2008 soll zumindest die Rennstrecke wiederhergestellt werden. Das Land muss aber vorher alle Genehmigungen sichern.

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