Mildes Klima, spektakuläre Ausblicke und üppige Vegetation: Auf La Gomera werden Mountainbiker für die Mühen des Aufstiegs reich belohnt
Eine leichte Meeresbrise bläst die Schweißtropfen von der Stirn. Fast bedauern es die Radler, dass sie nicht unten am Strand geblieben sind wie die allermeisten Urlauber, die auf die Insel kommen. Waren es vor Jahrzehnten noch vor allem Aussteiger, kamen bald auch Individualtouristen. Heute sind es zunehmend Biker, die La Gomera für sich entdecken. Ihre Aufmerksamkeit gilt jetzt der tief durchfurchten, rotsandigen Piste, die sich parallel zur zerklüfteten Küste im Nordwesten bergauf schlängelt. Die Suche nach einer durchgängig fahrbaren Spur macht den Anstieg zu einer wahren Geschicklichkeitsübung.
Vorbei an der Ermita Santa Clara, einer einsamen Kapelle, kämpft sich der Weg durch dichtes Gebüsch und mündet schließlich in eine ockerfarbene Gesteinsformation, die sich grell vom tiefblauen Himmel abhebt. Zeit für eine kurze Rast, des atemberaubenden Panoramas wegen: Hinter dicht bewaldeten Berghängen erhebt sich jenseits des Ozeans majestätisch der Pico del Teide - mit 3770 Metern höchster Gipfel der Nachbarinsel Teneriffa und zugleich Spaniens.
Belohnungen wie diese erwarten Mountainbiker auf La Gomera zuhauf. Um in ihren Genuss zu kommen, braucht es Kondition und eine gewisse Fahrtechnik. Keine Tour, bei der nicht etliche hundert, bisweilen über tausend Höhenmeter zu bezwingen sind. Das verrät bereits das Profil der zweitkleinsten, beinahe kreisrunden Kanaren-Insel: Ihr Zentrum bildet der 1487 Meter hohe Alto Garajonay, ein seit zwei Millionen Jahren schlafender Vulkan.
Wind uns Wasser haben mehr als 50 Schluchten (Barrancos) und Täler in seine Flanken gegraben. In den teilweise sehr abgeschiedenen Regionen hat sich eine artenreiche Flora erhalten. Für Mountainbiker bedeutet die zerklüftete Topografie: Wer versehentlich in das falsche Tal abfährt, muss denselben Weg retour - 800 Höhenmeter kostet das allemal.
Von Birgit Obermeier