Ex-Fiat Manager sieht schwarz für Firma

12. Juli 2005, 15:19
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Der italienische Großindustrielle und ehemalige Fiat-Chef Carlo de Benedetti sieht keine Zukunft für den Turiner Autobauer

Rom - Der italienische Großindustrielle Carlo de Benedetti, Präsident der Industrieholding CIR, sieht für die Turiner Autogruppe Fiat schwarz: "Fiat Auto hat keine Zukunftschancen mehr", bedauert er , "es tut mir Leid, weil ich Geschäftsführer von Fiat gewesen bin und aus Turin stamme".

Die Gründe für den schleichenden Niedergang des italienischen Autoaushängeschilds sieht er vor allem in der zu langen Protektion des Staates. "All das, was geschützt worden ist, infiziert sich, wenn man ihm diesen Schutz wegnimmt", so de Benedetti. Wege aus der Misere hat er jedoch keine parat.

Erst im Mai musste der italienische Autobauer wieder massive Zulassungseinbußen in Europa hinnehmen. Nach Angaben der in Brüssel ansässigen Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) sanken die Neuzulassungen der drei Marken der Turiner Autogruppe (Fiat, Alfa Romeo und Lancia) gegenüber Mai 2004 um 26,7 Prozent auf 70.956 Autos.

Streik als Ursache

In Europa fiel der Marktanteil des italienischen Autobauers im Mai von 7,4 Prozent auf 5,5 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2004. Im April hatte der Marktanteil noch 6,4 Prozent betragen. In den ersten fünf Monaten waren es europaweit 6,6 Prozent, im Jahr davor noch acht Prozent.

Fiat rechtfertigte das negative Ergebnis im Mai mit einem Streik von Lastwagenfahrern, der drei Wochen lang die Auslieferung neuer Fahrzeuge behindert hatte. Das Unternehmen musste in seiner größten Autofabrik die Produktion stoppen, weil die Parkplätze vor den Produktionsstätten bereits mit Neuwagen voll gestellt waren.

Fiat steht mit diesen Verkaufsbrüchen in Europa relativ alleine da. Im Mai wurden mit 1,29 Millionen Fahrzeugen zwar um 1,7 Prozent weniger Pkws neu zugelassen, dennoch konnten Konkurrenten wie der Volkswagenkonzern, BMW, Opel, die französische Peugeot Citroen Gruppe oder etwa Toyota ihren Marktanteil ausbauen (siehe Grafik).

Hoher Schuldenberg

Doch die Fiat-Krise ist nicht erst seit gestern. 2004 hat das Unternehmen einen Verlust von rund 1,3 Mrd. Euro gemacht und acht Mrd. Euro Schulden angehäuft. Auch der erfahrene österreichische Manager Hebert Demel, von November 2003 bis Februar 2005 an der Spitze von Fiat Auto, brachte trotz einer Straffung der Vertriebsstruktur und anderer Maßnahmen den Motor nicht zum Laufen.

Fast zeitgleich mit dem Weggang Demels von Fiat zog sich die amerikanische General Motors aus dem Jointventure mit den Italienern zurück und ließ sich den Rücktritt vom Fiat-Kauf 1,55 Milliarden Euro kosten.

Besonders kritisieren Analysten, dass die Investitionen in Forschung und Entwicklung bei Fiat Auto zu den geringsten der gesamten europäischen Autobranche zählen. Um den Konzern zu sanieren, müssten Investmentbanken zufolge mindestens 700 Millionen bis eine Mrd. Euro, jährlich in neue Produkte investiert werden. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.06.2005)

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