Rettberg: Vom "Libro-Macher" zum Pleitier

27. Juli 2005, 17:14
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1999 noch zum "Manager der Jahres" gekürt

Wien - Die Karriere des ehemaligen Chefs der Buch-, Papier- und Musikhandelskette Libro, Andre Rettberg (46), gegen den derzeit laut Nachrichtenmagazin "Format" ein Haftbefehl vorbereitet wird, hatte einst vielversprechend begonnen. Der am 8. Oktober 1957 in Holland geborene, gelernte Buchhändler begann bei Libro Salzburg und machte aus der einst angeschlagenen Diskontkette den größten Medienhändler Österreichs.

Libro wurde 1978 als 100-prozentige Billa-Tochter des Wlaschek-Konzerns gegründet und war zunächst ein reiner Buchdiskonter. Später wurde das Sortiment um Musik-, Papier- und Schreibwaren erweitert. 1984 wurde Rettberg von den Billa-Managern Karl Wlaschek und Veit Schalle die Sanierung der damals angeschlagenen Libro-Diskontkette übertragen.

Privatstiftung

Als 1996 der Billa-Konzern vom deutschen Handelsriesen Rewe übernommen wurde, blieb die Libro-Kette zunächst noch in der Wlaschek Privatstiftung. In diesem Jahr begann auch der - letztlich erfolgreiche - Kampf von Rettberg gegen das System der grenzüberschreitenden Buchpreisbindung, gegen das Libro eine Beschwerde bei der EU-Kommission einbrachte. Heute sind nur noch nationale Systeme zugelassen, die freilich wenig an den gebundenen Buchpreisen änderten.

Ende 1997 ging Libro zur Gänze an ein Konsortium um die börsenotierte Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft Unternehmens Invest AG (UIAG) und die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Rettberg selbst beteiligte sich ebenso wie der frühere Finanzvorstand Johann Knöbl und eine Gruppe von Investoren an der Handelskette, die damals mit 1.400 Beschäftigten in 220 Filialen und einem Umsatz von 254 Mio. Euro zu den sechs größten Buchhändlern im deutschen Sprachraum gehörte.

Expansion

In den nächsten Jahren steckte Rettberg viel Geld in die Expansion von Libro. Im Juni 1998 übernahm Libro von der Passauer Verlagsgruppe den Oberösterreichische Landesverlag GesmbH mit seinen Amadeus-Medienhäusern. Die Deutschland-Expansion erwies sich im Nachhinein als Klotz am Bein. 1999 stieg Libro mit Lion.cc in den boomenden Internetmarkt ein. Am 10. November 1999 ging Libro an die Börse. Im selben Jahr wurde Rettberg zum "Manager der Jahres" gewählt.

Dann begann allerdings der Abstieg Libros und auch Rettbergs. Im Geschäftsjahr 1999/2000 (per Februar) rutschte Libro in die Verlustzone. Ab Weihnachten 2000 hatte das Unternehmen mit ernsthaften Liquiditätsproblem zu kämpfen und da bereits damals kein Investor gefunden werden konnte, meldete Libro im Juni 2001 mit 240 Mio. Euro anerkannte Forderungen den Ausgleich an. Noch knapp vor Ausgleichseröffnung wurde Rettberg der Sanierungsmanager Werner Steinbauer als Finanzvorstand zur Seite gestellt.

Insolvenzverfahren

Nicht einmal ein Jahr später, Mitte April 2002, brauchte Libro als Folge der schwachen Konjunktur von den Banken wieder Geld, das Unternehmen schlitterte in den Konkurs, der mit von laut KSV mehr als 380 Mio. Euro angemeldeten Passiva nach Konsum und Maculan das drittgrößte Insolvenzverfahren in Österreich seit 1954 war. Im November 2002 wurde Libro schließlich um 5 Mio. Euro von einem Konsortium um den Industriellen Josef Taus übernommen.

Im Jänner 2002 erhebt ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungskanzlei von Exfinanzminister Andreas Staribacher und Primus Österreich schwere Vorwürfe gegen Rettberg, der durch teils grobe Fehlleistungen dem Unternehmen erheblichen Schaden zugefügt habe. Im März 2003 ist Rettberg Erstbeschuldigter in einem Gerichtsakt, ihm werden laut einem Gerichtssprecher des Wiener Neustädter Landesgerichts "Betrug, Untreue, fahrlässige Krida und unrichtige Aussagen gemäß § 255 Aktiengesetz" vorgeworfen, Voruntersuchungen gegen Rettberg und Co beginnen. Laut einem Bericht des "Format" zufolge soll nun gegen Rettberg ein Haftbefehl vorbereitet werden.(APA)

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