Gott tritt gegen Darwin an

10. Juli 2005, 20:55
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Forscher protestieren gegen umstrittenen Dokumentarfilm im US-Nationalmuseum - Kreationisten sehen "Evolutionismus" als Ursache von Kriminalität, Drogenmissbrauch und Kriegen

Washington - In den USA ist ein Wissenschaftsstreit entbrannt. Im Nationalmuseum für Naturgeschichte der staatlichen Smithsonian Institution wird am 23. Juni der Film "The Privileged Planet" gezeigt, in für die Theorie des "Intelligent Design", einer Form des Kreationismus, geworben wird. Kreationisten bestreiten Charles Darwins Theorie von der Evolution der Arten und sehen Gott als Lenker hinter aller Entwicklung.

Der Dokumentarfilm fußt auf einem Buch von Guillermo Gonzalez von der Iowa State University und Jay Richards, Vizepräsident des Discovery Institute in Seattle, das die "Intelligent Design"-Theorie verbreitet. Die Smithsonian Institution zog eine zunächst angekündigte Unterstützung für die Produzenten des Films in Höhe von 16.000 Dollar (13.290 Euro) inzwischen zurück: Nach genauerer Begutachtung habe man festgestellt, dass der Inhalt des Filmes nicht im Einklang mit dem Auftrag des Instituts stehe. Abgesagt werden soll er jedoch nicht, weil das Institut schon Einladungen verschickt habe. Dutzende namhafte Wissenschafter protestieren.

Der Vorsitzende der US-Geophysikalischen Union, Fred Spilhaus, etwa verlangt, den Film abzusetzen. Er fordert Forscher auf, Einspruch auf der Smithsonian-Internetseite einzulegen: Der Film suggeriere, dass Übernatürliches zur Wissenschaft gehöre. Das sei inakzeptabel. Kreationismus sei keine Wissenschaft. Denn wissenschaftliche Erkenntnis beruhe auf Beweisen, sei provisorisch, lasse sich jederzeit überprüfen.

Die Kreationisten führen nach eigenem Bekunden einen "Feldzug gegen den Evolutionismus", der angeblichen Ursache von Kriminalität, Drogenmissbrauch und Kriegen. Mit Erfolg: In zahlreichen US-Bundesstaaten gibt es juristische und politische Auseinandersetzungen über die Darstellung von Darwins Ideen im Unterricht. Schulbuchverlage verzichten inzwischen auf die Erwähnung Darwins. Gesetzentwürfe sehen vor, den Kreationismus gleichrangig im Unterricht zu behandeln. Noch scheiterten sie, weil das US-Gesetz eine Trennung von Kirche und Staat vorschreibt. Aber die Bibeltreuen wissen eine "moralische Mehrheit" hinter sich: Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup ergab, dass nur jeder zehnte Amerikaner der Evolutionstheorie vertraut, 45 Prozent glauben hingegen, Gott habe vor etwa 10.000 Jahren die Welt erschaffen. (boja/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 6. 2005)

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