Flughafen Warschau entwickelt sich zur Konkurrenz von Wien

12. Juli 2005, 15:21
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Die polnische Fluglinie LOT gewinnt mit niedrigen Lohnkosten im Verbund der Star Alliance zusehends an Gewicht - Der Flughafen Warschau soll zur neuen West/Ost-Drehscheibe werden

Warschau/Nagoya - Dem ersten Anschein nach hat sich bei einer der ältesten Fluglinien der Welt seit ihrem Beitritt zur Star Alliance um Lufthansa und AUA im Oktober 2003 nicht viel verändert. Die Euphorie, als erste Airline Osteuropas einen strategischen Anschluss an das größte Luftfahrtbündnis zu besitzen, ist schon lange verflogen.

Und Marek Grabarek, CEO von LOT Polish Airlines, gab im STANDARD-Gespräch am Rande einer Star Alliance Konferenz in Nagoya unumwunden zu, dass sich die Gesellschaft innerhalb dieses Verbundes noch positionieren und strategisch ausrichten müsse. "Unsere Zukunft in der Star Alliance liegt hauptsächlich im Heimmarkt Polen mit 40 Millionen Menschen."

Die große Bedeutung der LOT werde sich noch zeigen, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber dem STANDARD. "Unsere Zusammenarbeit und deren Geschäftszahlen haben sich markant verbessert. Man darf nicht vergessen, dass sich der gewaltige Markt Polen nicht über Nacht öffnet."

Höchsten Zuwachsraten

Die Weltluftfahrt sieht im Osten Europas die höchsten Zuwachsraten der gesamten Luftfahrtbranche. 2001 fertigten elf Flughäfen in Polen lediglich 6,3 Millionen Passagiere ab. 2010 sollen es zehn Mio. Passagiere sein.

Unterdessen errichtet ein polnisch/ spanisches Konsortium einen neuen Terminal am Warschau Frederic Chopin Airport, ausgelegt für 6,5 Mio. Passagiere pro Jahr. Dieser soll in der ersten Jahreshälfte 2006 bezugsfertig sein. Zusammen mit dem bestehenden Terminal ergibt das eine Kapazität von zehn bis zwölf Mio. Passagiere jährlich.

Neue Konkurrenz

"Wir möchte den neuen Terminal exklusiv für unsere Partner nutzen", erläutert Jaan Albrecht, CEO der Star Alliance. Eine enorme Aufwertung für die polnische Drehscheibe (Hub). Es zeichnet sich ab, dass Warschau neben den Flughäfen von Prag und München ein weiterer Konkurrent zum Hub Wien und der Austrian Airlines im West-Ost-Verkehr wird.

AUA-Chef Vagn Sörensen sieht kein Problem. Schließlich habe die AUA mit 41 Zielen im Osten ein massives Netzwerk und somit einen bedeutenden Vorsprung. Im Gegenteil, Sörensen kann sich sogar eine intensivere Zusammenarbeit mit der LOT durch ein Joint Venture vorstellen. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.06.2005)

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