Porträt: Der neue König über 100 m

7. Juli 2005, 13:25
posten

Athen - Seine ruhige, zurückhaltende Art steht im Kontrast zu den extrovertierten US-Sprintern. Am Dienstag Abend aber stellte Asafa Powell alle in den Schatten. Der 22-jährige Jamaikaner markierter in Athen mit 9,77 Sekunden einen neuen Weltrekord über 100 m und verbesserte damit die Bestmarke des unter Doping-Verdacht stehenden Tim Montgomery um eine Hundertstel Sekunde.

Ausgerechnet dort, wo er seine bitterste Niederlage einstecken musste, schlug Powell zu. Der Sportmedizin-Student aus Kingston, geboren am 11. November 1982 in St. Catherine, war im Vorjahr als ungeschlagener Aufsteiger zu den Olympischen Spielen nach Athen gefahren - und musste sich nach seiner ersten Niederlage des Jahres mit Rang fünf begnügen. Auch bei der WM in Paris ein Jahr davor blieb er wegen einer Disqualifikation in der Zwischenrunde ohne Erfolg.

Doch der Modell-Athlet (190 cm/88 kg), Sohn eines Priesters, verlor nie den Glauben an seine Stärke. Anfang Mai wurde er in Kingston in 9,84 gestoppt, vergangenen Donnerstag schockte er in Ostrau in 9,85 wieder die Konkurrenz und kündigte für Dienstag einen Angriff auf den Weltrekord an. Er hielt Wort. Lautsprecher ist er dennoch nicht. "Mir wurde gelehrt, bescheiden und ruhig zu bleiben. Ich bin nicht der Typ, der sich in einem Hype wider findet. Ich will das auch niemals ändern", erklärte Powell.

Der 22-Jährige, der aus einer Leichtathletik-Familie kommt, hat längst seine älteren Brüder übertrumpft, die ihn zu diesem Sport gebracht hatten. Einer aus dem Quintett, Donovan, hat es selbst zu einer Olympia-Teilnahme gebracht, er war in Sydney allerdings nur Ersatzläufer in der viertplatzierten 4 x 100 m-Staffel seines Landes.(APA/Reuters)

Share if you care.