Osterweiterung schwächt den Euro nicht

12. Juli 2005, 12:49
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Bankenstudie sieht Gewinn in der starken Dynamik der neuen Mitglieder

Die Erweiterung um zehn neue Mitglieder wurde in der Debatte der letzten Wochen oft als Belastung für die bestehende EU ins Treffen geführt. Aber auch die erwartete künftige Einführung des Euro in den neuen EU-Ländern wird nach Einschätzung der internationalen Großbank Credit Suisse (CS) den Außenwert der Gemeinschaftswährung nicht grundsätzlich schwächen.

Das schließe nicht aus, dass in einer Phase mit negativer Marktstimmung gegen den Euro nicht auch Argumente wie die bevorstehende Osterweiterung einen Einfluss haben könnten. Dieser dürfte sich aber in Grenzen halten und zeitlich limitiert bleiben, heißt es in einer Studie der CS.

Dynamik

Die Beitrittskandidaten hätten wirtschaftlich zwar ein kleines Gewicht, aber eine überdurchschnittliche Dynamik, heißt es. Viel wichtiger als die Erweiterungsfrage sei für den Euro zudem die Entwicklung der Weltwirtschaft allgemein, insbesondere der USA und von Asien.

Nachdem der Stabilitätspakt diesen Frühling gelockert wurde, könnten gewisse Kandidatenländer auf eine mildere Beurteilung drängen, heißt es in der Studie. Die Credit Suisse gehe jedoch nicht von einer grundsätzlichen Aufweichung der Konvergenzkriterien - Staatsdefizit, Staatsverschuldung, Inflation, stabiler Wechselkurs - aus.

Auf dem Weg zur Währungsunion am weitesten fortgeschritten sind unter den zehn neuen EU-Ländern Estland, Litauen und Slowenien. Voraussichtlich Anfang 2007 werden sie als erste mittel- und osteuropäische Länder den Euro einführen. Anfang 2008 dürften laut den Angaben Lettland, Malta und Zypern folgen.

Der nächste Beitrittskandidat heiße Slowakei (Anfang 2009). Länger werde es dauern, bis die großen Staaten Tschechien (2010), Polen und Ungarn (2011) den kleineren Ländern in die Währungsunion folgen können.

Keine Zinsanhebung

Indes haben mehrere Ratsmitglieder der EZB (Europäische Zentralbank) Hoffnungen auf eine Zinssenkung in der Eurozone gedämpft. Wiederholt war in den letzten Tagen eine Zinssenkung als Rezept zur Belebung des flauen Wachstums gefordert worden; ein Interview des Spiegel mit dem EZB-Chefvolkswirten Otmar Issing wurde als Hinweis auf eine bevorstehende Senkung gedeutet; die EZB erklärte jedoch, Issing sei unvollständig zitiert worden. Der Leitzins in der Eurozone ist seit zwei Jahren auf dem historisch niedrigen Niveau von zwei Prozent; zuletzt ist der EZB-Rat von einer Anhebung deutlich abgerückt. (red, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2005)

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