Bio 2005: Die österreichischen Beiträge

12. Juli 2005, 15:13
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Zwischen Krebstherapie und Gewebe-Analysen

Wien - Mehrere österreichische Biotech-Unternehmen sind bei der Bio 2005 in Philadelphia (19. bis 22. Juni) am Österreich-Stand vertreten. Es handelt sich fast durchwegs um Vertreter der "roten Biotechnologie", also der Medizin-orientierten Gentechnik. Hier die Teilnehmer:

- Austrianova: Das Unternehmen geht auf Arbeiten von Walter Günzburg (Virologie und Biomedizin der Universität für Veterinärmedizin) zurück. Das bereits in der Phase III (Wirksamkeitsprüfung/Zulassung) befindliche Produkt ist "NovaCaps". Es handelt sich dabei um in Mikro-Kapseln eingeschlossene Zellen, die das P-450-Enzym in einer bestimmten Form produzieren. Gleichzeitig bekommen die Kranken das Chemotherapeutikum Isofosfamid. Das P-450-Enzym wandelt es in die aktive Form um. Das soll den Tumor besser behandelbar machen. In einer klinischen Prüfung der Phase III soll diese neue Form der Pankreaskarzinom-Therapie schon ab den nächsten Monaten an 18 bis 20 Kliniken auf ihre Wirksamkeit erprobt werden. Dabei solle es zu einem placebo-kontrollierten Vergleich der neuen Behandlungsart mit der herkömmlichen Zytostatika-Therapie (Gemcitabine) kommen. Die europäische Arzneimittelagentur EMEA hat das Prinzip als "Orphan Medicinal Product" und als "Advanced Therapy Medicinal Product" klassifiziert und damit auf die mögliche Bedeutung hingewiesen.

- Intercell: Das Wiener Biotech-Unternehmern Intercell will schon im Jahr 2007 mit einem neuen Impfstoff gegen die Japan-Enzephalitis auf den Markt kommen. Hier wurde ein Kandidat-Vakzin eingekauft und weiter entwickelt. Die Phase-III-Studien laufen in diesem Jahr an. Das Unternehmen wurde unter anderem von dem Mikrobiologen Alexander von Gabain gegründet und hat vor kurzem seinen erfolgreichen Börsegang gehabt. Der ehemalige wissenschaftliche Leiter des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP), Max Birnstiel, brachte in die Firma ein von ihm entwickeltes Poly-Arginin-Adjuvans ein, das die immunologische Wirkung von Impfstoff-Antigenen verstärken soll. Ein weiteres Projekt ist jenes eines therapeutischen Hepatitis C-Vakzins.

- Igeneon: Die vom US-Biopharma-Unternehmen Aphton aufgekaufte Firma hat derzeit mit IGN101 eine Krebs-Vakzine in klinischen Studien der Phasen II/III. Das Prinzip liegt darin, dass mit einem von der Maus stammenden monoklonalen Antikörper, der den Krebszell-Oberflächenbestandteil EpCAM imitiert als "Fremdkörper" bei Geimpften eine stärkere Immunantwort gegen bösartige Zellen ausgelöst werden soll. Die Studie startete im Februar 2004. Bei den Probandinnen handelt es sich um Brustkrebspatientinnen. Die Vakzine soll die Rückfallsrate reduzieren. Igeneon hat in der Vergangenheit mehrere weitere Produkte auf dieser Basis entwickelt. Die Marktreife für IGN101 wird mit frühestens 2007 erwartet. Die Geschichte von Igeneon mit dem Aufkauf durch ein US-Unternehmen zeigt aber auch, dass die Forschungs- und Wirtschaftspolitik eines Landes alles daran setzen muss, um Wertschöpfung möglichst nachhaltig - eben nach Förderung des Starts - im eigenen Staat zu behalten.

- Oridis: Auf den ehemaligen IMP-Wissenschafter Kurt Zatloukal (Medizin-Universität Graz) geht die Gründung von Oridis-Biomed zurück. Der Pathologe entwickelte ein "Tissomics"-Verfahren. Das ist die High-Tech-Untersuchung von Gewebeproben aus der Pathologie (in Paraffin konserviert) für die Pharmaindustrie zur Identifizierung von neuen Zielen für die Entwicklung von Arzneimittel-Wirkstoffen. Das Unternehmen hat Zugriff auf drei Millionen Gewebeproben plus die dazugehörigen anonymisierten Krankengeschichten. Mit Dr. Peter Hecht als vor kurzem neu bestellten Geschäftsführer (ehemals Sandoz-Forschungsinstitut in Wien sowie Tripos/USA/Großbritannien) und dem international bekannten Bioinformatik-Spezialisten Dr. Georg Casari (Cellzome, LION Bioscience) hat das Unternehmen eine deutliche Verstärkung der personellen Expertise im Management und der Bioinformatik erfahren.

- Eucodis: Das Unternehmen, das erst 2004 gegründet wurde, hat zwei Hauptgeschäftsbereiche im Brennpunkt. Erstens werden in drei Projekten neue Mittel zur Behandlung von Entzündungen und anderen Erkrankungen entwickelt. Dabei stützt man sich auf das Verfahren der somatischen Hypermutation und der Verhinderung von Reparaturmechanismen in der DNA-Replikation, um neue monoklonale Antikörper zu identifizieren und später zu produzieren. Weiters beschäftigt man sich mit der Verbesserung und Erzeugung von industriellen Enzymen. Hier gibt es eine Koopertion mit dem Kompetenzzentrum für Biokatalyse der Universität Graz.

- Green Hills Biotechnology: Im Hintergrund stehen Forschungsarbeiten des Wiener Virologen (Universitäts-Hautklinik) Thomas Muster. Bei den Projekten handelt es sich um Produkte aus dem Bereich "Viral Engineering". Mit "Oncoflu" will Green Hills gentechnisch veränderte (onkolytische) Influenza-Viren au die selektive Zerstörung von Krebszellen "trimmen". Hier steht man vor den ersten klinischen Tests. "Melvir" hingegen baut auf die Entdeckung Mustes auf, dass in Melanomen endogene Retroviren (MERV) entstehen. Das soll in Zukunft für die Frühdiagnose solcher Tumoren bzw. die Therapie eingesetzt werden.

- Biotec Area Krems: Mit Ars Arthro, BioTec Systems und Cell Danube haben sich im Umfeld der Fachhochschule Krems und der Donauuniversität bereits einige Unternehmen auf dem "Campus" angesiedelt, der bereits in den nächsten Wochen fertig gestellt sein wird.

- Sanochemia: Eher in den Bereich der klassischen pharmazeutischen Industrie fällt dieses Unternehmen mit Notierung an der Frankfurter Börse. Ehemals landete die Firma einen Coup mit der Einführung des Wirkstoffs Galanthamin in die Alzheimer-Therapie. Schmerz- und Kontrastmittel sowie HIV-Tests - hier hat man schon seit Jahren ein Produkt - sind die Standbeine des Unternehmens. (APA)

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