In Österreich gibt es vorwiegend "Rote Biotech"

12. Juli 2005, 15:13
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Vor allem an neuen Therapieansätzen und Service-Providern wird in Österreich gefortscht

Wien - Die österreichische Biotech-Szenerie ist bei den Branchen durchaus "einseitig". Thomas Fischer (Austrianova): "Es handelt sich zum überwiegenden Teil um 'rote Biotechnologie' - also um neue therapeutische Entwicklungen für die Medizin oder um Service-Provider." Zu letzterem gehören zum Beispiel Gen-Chip-Unternehmen.

Bei diesen "Life-Sciences" unterscheidet sich aber die heimische Landschaft wenig von dem internationalen Spektrum der Gen- und Biotechnologie. Brian Salmons (F&E Austrianova): "Oft geht es um die Entwicklung von Vakzinen. Wir selbst sind in der Gentherapie engagiert."

Bei den Entwicklungsfortschritten können sich die österreichischen Unternehmen durchaus sehen lassen. Von mehreren hundert deutschen Biotech-Firmen in diesem Bereich sind bisher nur um die sieben bei den fortgeschrittenen Wirksamkeitsprüfungen ihrer Produkte an Patienten (Phase III) vor der möglichen Zulassung durch die Arzneimittelbehörden angelangt. Fischer: "Von etwa 30 derartigen Firmen in Österreich gibt es immerhin schon drei in der Phase III."

Intercell, Igeneon und Austrianova

Intercell (Wien) erprobt seinen eingekauften und weiter entwickelten Impfstoff gegen die Japan-Encephalitis in diesem Stadium. Igeneon (Wien) erprobt einen seiner Krebsimpfstoffe in der Phase III und Austrianova ist dabei, die notwendigen Chargen seiner "NovaCaps"-Zelltherapie gegen Bauchspeichelkarzinome für die Phase-III-Studie an 18 bis 20 Zentren (rund 200 Patienten) zu produzieren. Hier soll Mitte des Jahres mit der eigentlichen Behandlung im Rahmen einer Placebo-kontrollierten Untersuchung begonnen werden.

Das Problem: Gerade bei den Studien an Patienten gibt es den größten Finanzbedarf. So beträgt der Anteil der Aufwändungen für die Entwicklung eines neuen potenziellen Biotech-Medikaments bis zur ersten Erprobung an Patienten unter 20 Prozent. Doch dann explodieren die Kosten. Fischer: "Von der Idee zu einem neuen Medikament vergehen meistens 15 Jahre. Die Phase III dauert nur drei bis 3,5 Jahre. In diesem Viertel der Zeit laufen aber 50 Prozent der Gesamtkosten an." Insgesamt könne man notwendigen Investitionen von 100 Millionen Euro ausgehen.

Kein Wunder, dass sich - auch - die österreichische Biotech-Szene Instrumente wünscht, mit denen auch Forschung an Patienten von der öffentlichen Hand unterstützt wird. Bisher trifft das nur auf die Grundlagen- und die präklinische Forschung zu. Am wichtigsten aber wäre die Überzeugung möglichst vieler Österreicher, mit durchaus kleinen Investitionen zu den Entwicklungen beitragen zu wollen. Fischer: "Die Österreicher verfügen über ein Vermögen von rund 340 Milliarden Euro. Ein Promille davon wären 300 Millionen Euro. Damit könnte man die österreichische Biotech-Industrie drei Jahr lang locker finanzieren." (APA)

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