Vermehrt Schadstoffe in der Muttermilch

11. Juli 2005, 13:50
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Stillen wird dennoch als optimalste Ernährung für Säuglinge empfohlen

Wien - Die Muttermilch europäischer Frauen ist mit über 300 Industriechemikalien belastet, so eine Studie, die im Auftrag von Global 2000 und B.U.N.D Deutschland durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Dienstag veröffentlicht. Dennoch müssten sich Mütter keine Sorgen machen: Stillen wird von allen maßgeblichen Stellen, darunter auch der WHO, "ohne Einschränkung" empfohlen.

Überschrittene Richtwerte

Die Belastungen mit dem Pestizid DDT, mit Dioxinen und den giftigen polychlorierten Biphenylen (PCB) würden auf Grund weit reichender Verbote seit den achtziger Jahren langsam, aber kontinuierlich abnehmen. Gleichzeitig steige die Gesamtzahl der Chemikalien, die sich in der Muttermilch nachweisen lassen, wie etwa Weichmacher, Duftstoffe oder Flammschutzmittel. Für alle diese Substanzen gebe es keine Grenzwerte, sondern lediglich aus dem Tierversuch hochgerechnete Richtwerte, die bei manchen Stoffen in der Muttermilch um das 40- bis 60-fache überschreiten.

"Viele der nachgewiesenen Schadstoffe haben negative gesundheitliche Auswirkungen. Diese reichen von Allergien über Störungen des Immunsystems, verminderter Fruchtbarkeit und Krebs bis hin zu Verhaltensstörungen. Solche Stoffe haben in der Muttermilch nichts verloren. Dass sie trotzdem dorthin gelangen können, ist das Versagen der bisherigen europäischen Chemikalienpolitik", kritisierte Helmut Burtscher von Global 2000. Zugleich schränkte er ein, dass es keine Studie gibt, die indiziert, dass Säuglingen durch Muttermilch irgendein Schaden entstehen kann.

Stillen trotzdem optimal

Auch Dr.in Beate Pietschnig, Oberärztin an der Kinderklinik Glanzing im Wilhelminenspital und Mitglied der Österreichischen Stillkommission sagt, dass Stillen auch heute die optimale Ernährung für den Säugling darstellt, fordert aber, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die Gesamtbelastung in unserer Umwelt zu verringern. Global 2000 fordert die österreichische Regierung auf, dafür einzutreten, dass die anstehende Reform der europäischen Chemikalienpolitik den Schutz der Gesundheit vor giftigen Chemikalien gewährleistet. (APA)

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