"Keinem in die Wiege gelegt"

12. Juli 2005, 12:46
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Heineken-Osteuropa-Chef Karl Büche über den Standort Wien

"Viele Österreicher vertreten die Meinung, dass wir gerade aus unserer Historie heraus ein starkes Verständnis und Gespür für den zentraleuropäischen Raum haben. Ich denke aber, dass dies keinem Österreicher in die Wiege gelegt worden ist, somit auch nicht unmittelbar ein landestypisches Mentalitätsmerkmal ist", sagt Karl Büche, Vorstandsmitglied bei Heineken, der Mutter der Brauunion (mit Biermarken Gösser, Zipfer, Schwechater) zum STANDARD. "Es ist vielmehr die Voraussetzung für jeden Manager im internationalen Business, offen und verständnisvoll auf andere Kulturen zuzugehen."

Ein Hauch von Córdoba

Büche kann offenbar aus seiner heutigen Position generös auf vorhandene oder nicht vorhandene Mentalitätsvorteile der Österreicher in Osteuropa sehen. Doch ein Hauch von Córdoba dürfte schon die ehemaligen BBAG-Leute umweht haben, als die Zentrale des Biermultis Heineken in Amsterdam bekannt gegeben hatte, dass Wien die Konzernzentrale für Osteuropa und für Deutschland werden sollte.

Die Brau Union wird demnach von Österreich aus das Biergeschäft in neun Ländern Zentraleuropas sowie im Zuge der laufenden Umstrukturierungen im Konzern bald auch in Russland, Griechenland und Deutschland lenken. Büche (58) - er übergibt sein Amt als Zentral- und Osteuropachef im Herbst an den Holländer Nicolaas Nusmeier (44) - will die Sache ganz pragmatisch sehen:

"Es ist wichtig die Märkte vor Ort zu begreifen. Das funktioniert nicht übers Internet. Man muss nach Bulgarien oder nach Rumänien reisen, dort leben und arbeiten um die Menschen zu verstehen, um den Markt zu erfassen, um Entscheidungen treffen zu können. Das war auch der Grund, warum die überwiegende Anzahl der Brau-Union-Abteilungen von Linz nach Wien verlegt wurden. Von hier aus können wir in zwei Stunden auf jedem unserer Märkte landen." (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.06.2005)

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