Die Kunst der Volksbildung

15. November 2006, 16:31
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In der Künstlerischen VHS wird seit einem halben Jahrhundert das Handwerkszeug für die Kreativität vermittelt - ohne Altersbeschränkung.

Wien - Ihr Beruf ist die Ernährungswissenschaft. Doch ihrer Berufung widmet sich Susanne Wagner seit 1996 - immer wieder, jedes Semester auf's Neue: "Aquarell, Aktzeichnen, Karikatur, experimentelle Malerei", zählt sie auf, was das Programm der Künstlerischen Volkshochschule im Alsergrund so hergibt - und was sie schon besucht hat. Derzeit bereitet sich Susanne Wagner auf die Sommerakademie vor: Aktzeichnen und eine Woche Landschaftszeichnen in der südmährischen Stadt Mikulov.

Dass Wagner "wahnsinnig gern" hier ist, verwundert da nicht - für sie ist es auch "faszinierend, wie bunt gemischt das Publikum ist". Das ist genau der Ansatz, weshalb die künstlerische VHS vor fast einem halben Jahrhundert von Gerda Matejka-Felden, der Ehefrau des legendären Stadtrates und Volksbildners Viktor Matejka, gegründet wurde: "Es ging darum, die Kunst für alle Bevölkerungsschichten zu öffnen", erläutert Direktor Gerhard Hermanky.

Kunst für alle

Der gleiche Grundsatz gilt heute noch: "Wer immer es will, dem möchten wir künstlerisches Handwerkszeug mitgeben." Die jüngsten Teilnehmer sind erst fünf Jahre alt; bei Theaterkursen beginnt die Kreativitätsförderung schon im Vorschulalter. Der älteste Kursteilnehmer derzeit ist 102 Jahre alt und übt sich im Aquarellmalen.

2500 bis 3000 Menschen sind es, die jede Woche hier ein- und ausgehen. "Unser größtes Problem ist im Moment das Platzproblem", so Direktor Hermanky. Wobei das Angebot wirklich umfassend ist: Neben Malen und Zeichnen kann hier Bildhauerei, Fotografie, Druckgrafik und neuerdings auch im Bereich der EDV Gebrauchsgrafik, Bildbearbeitung, Mediendesign erlernt werden. "Alle unsere Folder, die Umschläge der Programmhefte, Einladungen und Flyer werden im Haus hergestellt und von Teilnehmern gestaltet."

"Raumdesign" Andere wiederum lernen Modedesign. Oder "Schaufensterdekoration" - "aber genau genommen sind das Raumdesign und temporäre Installationen", erläutert Hermanky. Zum Teil findet der Unterricht auch gemeinsam mit der ebenfalls im Haus beheimateten Kunstschule statt - wenn es etwa um Vorträge zu Themen wie Urheberrecht, Sozialversicherung für Künstler oder der Organisation von Kunstprojekten geht.

Ab 27. Juni verlagert sich das Geschehen in der Sommerakademie für sieben Wochen vorwiegend ins Freie. Zum Start des nächsten Semesters im Herbst gibt es dann je eine gratis Schnupperwoche und einen Tag der offenen Tür am 18. September. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD – Printausgabe, 14.06.2005)

Künstlerische Volkshochschule
Lazarettg. 27, 1090 Wien,
Tel. 01/ 405 43 29 KVH
  • Artikelbild
    foto: christian fischer
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