Liverpool darf Titel verteidigen

11. Juli 2005, 15:07
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Engländer in erster Qualifikationsrunde - Champion der Champions künftig automatisch startberechtigt

Nyon - Es gibt sie also doch - die "Lex Liverpool". Der europäische Fußball-Verband (UEFA) hat am Freitag in Nyon in einer Tele-Konferenz des Exekutiv-Komitees einstimmig beschlossen, Titelverteidiger Liverpool FC als "Ausnahmeregelung" in der ersten Qualifikationsrunde starten zu lassen. Zudem wurde das Regulativ dahingehend geändert, dass der amtierende Champion ab der kommenden Saison automatisch für die Gruppenphase qualifiziert ist. Liverpool hatte als Fünfter der englischen Premier League ursprünglich keinen Startplatz für die Champions League erhalten.

Der englische Traditionsklub, der am 25. Mai in Istanbul das Finale gegen den AC Milan im Elfmeterschießen für sich entschieden hatte, steigt nun bereits am 12./13. bzw. 19./20. Juli in die erste Quali-Runde ein. Sollte der Rekordmeister wie Manchester United und Stadtrivale Everton (steigen in der dritten Runde ein) die Qualifikation überstehen, stünden erstmals - und laut UEFA letztmals - fünf Mannschaften eines Landes in der Gruppenphase, da Meister Chelsea und Vizemeister Arsenal fix qualifiziert sind.

"Die Anzahl der Vereine pro nationalem Verband bleibt in Zukunft gleich und richtet sich weiter nach der Fünfjahreswertung", stand in einer UEFA-Aussendung geschrieben. Demnach geht der Platz eines Titelverteidigers - sofern sich dieser nicht über die Meisterschaft qualifiziert - ab der kommenden Saison zu Lasten eines anderen Klubs. Das hatte der englische Verband (FA) heuer strikt abgelehnt. Nun müssen die Einnahmen an Stelle von vier Klubs durch fünf geteilt werden, Liverpool kann außerdem den anderen englischen Vertretern zugelost werden.

Einen ähnlichen Fall hatte es bereits im Jahr 2000 gegeben, als Champion League-Sieger Real Madrid als Liga-Fünfter in Spanien die Qualifikation versäumt hatte. An Stelle der Madrilenen schickte der spanische Verband damals den Vierten Real Saragossa in den UEFA-Cup und ersparte der UEFA damit ein Dilemma wie das aktuelle mit Liverpool.

Die "Reds" hatten nach einem 0:3-Rückstand zur Pause vor zweieinhalb Wochen sensationell ihren fünften Europacup-Titel geholt. "Es war eine schnelle und die beste Entscheidung", sagte UEFA-Kommunikationsdirektor William Gaillard, nachdem sich zahlreiche Größen des internationalen Fußballs für eine Teilnahme Liverpools ausgesprochen hatten.

"Das ist eine großartige Entwicklung, von der wir alle geträumt haben", sagte Liverpool-Mittelfeldspieler Dietmar Hamann. "Wir sollten die Qualifikations-Hürden überwinden und werden unser Maximum abrufen müssen, um unseren Titel zu verteidigen", erklärte der Deutsche.

Insgesamt haben von der Causa Liverpool auch mehrere andere Vereine profitiert. Der türkische Meister Fenerbahce Istanbul mit Trainer Christoph Daum erhält nun den automatischen Startplatz, der sonst dem Titelverteidiger vorbehalten war. Wisla Krakau (dritte Qualifikationsrunde) und der rumänische Meister (zweite Runde) ersparen sich eine Quali-Runde.

Den Hoffnungen von Manchester City auf einen UEFA-Cup-Platz wurde aber eine Absage erteilt. Der tschechische Vizemeister Slavia Prag droht vorsorglich mit Protest, sollten die Liverpooler bei Erreichen der dritten Quali-Runde an ihrer Stelle für die Auslosung gesetzt werden.

Österreichs Meister Rapid ist in der zweiten Runde sicher unter den gesetzten Teams, geht dem Titelverteidiger damit wohl aus dem Weg.(APA/Reuters/AFP)

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