Auf der Suche nach den nächtlichen Flirtern

5. Juli 2005, 09:40
posten

Die Umweltberatung in Wien ermittelt Leuchtkäfer-Standorte – "Bird Race" am Wochenende

Wien – Jetzt muss nur noch das Wetter wieder besser werden, dann können sich die Wienerinnen und Wiener im Juni und Juli auf die Suche machen: Egal, ob "Glühwürmchen", "Leuchtkäfer" oder "Johanniskäfer" genannt: Die glimmenden nächtlichen Flirter können bei der Umweltberatung gemeldet werden – ab der Johannisnacht am 24. Juni funkeln dann die Johanniskäfer-Standorte auf einer Leuchtkarte der Umweltberatungs-Homepage.

Da Leuchtkäfer ziemlich wählerisch bei der Wahl ihrer Lebensräume sind – und Flächen bevorzugen, auf denen sich eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten finden, gelten sie als wichtiger Indikator für eine intakte Umwelt.

Die bei uns vertretenen Leuchtarten: Der "Große Leuchtkäfer" – die 15 bis 20 Millimeter großen Weibchen hocken leuchtend auf Halmen, die etwas kleineren Männchen schwirren finster durch die Nacht. Beim "Kleinen Leuchtkäfer" hingegen surren die rund neun Millimeter großen sehr wohl leuchtenden Männchen herum – während die Weibchen mit ihren Flügelstummeln auf Stängeln vor sich hinglimmen.

Dies alles dient dem Liebesleben dieser Tiere: Die Weibchen locken mit ihrem Licht die Männchen an und dann passiert folgendes: "Die Männchen fliegen auf die Leuchtpunkte zu und lassen sich aus der Luft auf die wartenden Weibchen fallen oder kriechen vom Boden zu ihren Angebeteten hinauf", wie im Folder der Umweltberatung erläutert wird. Übrigens: Sollte ein Leuchtkäfer blinken, "um seine Paarungsbereitschaft zu signalisieren", handelt es sich um einen Italiener.

Keine Waserln

Bei aller Romantik sind die Glühwürmchen aber beileibe keine Waserln und darum gelten sie als "Gartenhelfer". Denn sie sind "echte Schneckenkiller": "Die Schnecken werden mit mehreren Giftbissen überwältigt, oft meterweit bis zu einem Fressplatz fortgeschleppt und dann in Ruhe verspeist." Selbst das Schneckenhaus ist kein Schutz vorm leuchtenden Killer: "Die Larven klettern auf das Gehäuse und beißen von dort aus mehrmals zu."

Umgekehrt sollte man sich aber auch vor dem Verzehr hüten: Glühwürmchen schmecken bitter; ein Wissenschaf 3. Spalte ter habe dies selbst gekostet, weiß man bei der Umweltberatung.

Zu einer weiteren tierfreundlichen "Jagd" rufen für heute, Freitag und Samstag das Magazin Geo, die Vogelschutzorganisation "BirdLife" und der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 auf: Beim "24 Stunden-Birdrace" sollen möglichst viele Vogelarten aufgespürt und gemeldet werden. Die Teilnehmer starten am Freitagnachmittag in Wien um anschließend nach eigenem Gutdünken besonders vogelreiche Orte aufzusuchen. Neben den eigenen Beinen dürfen nur Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel eingesetzt werden. Ziel ist am Samstag um 15.30 Uhr die Otto König-Vogelwarte nahe der Jubiläumswarte in Wien-Ottakring. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD – Printausgabe, 10. Juni 2005)

  • Artikelbild
    foto: standard/ stefan ineichen
Share if you care.