Die fließende Grenze zu Frankreich

8. Juni 2006, 16:05
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Bei der 69. Tour de Suisse strampeln sich sechs Österreicher ab, wobei Georg Totschnig aufzeigen will - An der Spitze sollte auch Jan Ullrich auftauchen, er übt schließlich für die Tour de France

Schaffhausen - "Ich werd da und dort etwas probieren", sagt Georg Totschnig, "aber aufs Gesamtklassement leg ich's nicht an." So gesehen kann der 34-jährige Zillertaler in der Schweiz ans Vorjahr anknüpfen, er muss aber nicht. Damals hat er eine Etappe gewonnen und den vierten Gesamtrang erreicht. Im deutschen Team Gerolsteiner bilden Österreicher (Totschnig, Wrolich, Haselbacher) und Schweizer (Montgomery, Beat und Markus Zberg) das Gros der Equipe, deren Chef Hans-Michael Holczer überzeugt ist: "Wir werden wieder eine gute Rolle spielen." Die Rolle der Nummer eins bei Gerolsteiner wird wohl erst auf den schweren Etappen im Finish vergeben. Neben Totschnig drängt sich der Deutsche Fabian Wegmann auf, der im Vorjahr der Giro-Bergkönig war.

Insgesamt sechs Österreicher nehmen die 1350 Kilometer lange Rundfahrt in Angriff, neben den Gerolsteiner-Legionären gehen Gerrit Glomser und Andreas Matzbacher für Lampre-Caffita sowie Bernhard Eisel für Fran¸caise des Jeux an den Start. Glomser allerdings ist durch eine bei einem Sturz am Sonntag in den USPRO Open Championships in Philadelphia erlittene Rippenprellung gehandicapt, es scheint fraglich, ob er neun Etappen lang durchhalten kann. Am Montag jedenfalls macht die Tour einen Abstecher nach Österreich, Sankt Anton am Arlberg ist Ziel der dritten Etappe, die über 160 Kilometer von Abtwil/Säntispark nach Tirol führt.

Während der Texaner Lance Armstrong bei der Dauphiné Libéré in Form kommen will - ehe er bei der Tour de France (2. bis 24. Juli) auf seinen siebenten Erfolg losgeht -, bildet die Tour de Suisse für Totschnig und etliche andere Spitzenfahrer die Generalprobe für Frankreich. Der Deutsche Jan Ullrich, der im Vorjahr in der Schweiz gewonnen hat, führt das acht Fahrer starke T-Mobile-Aufgebot an. Wie man hört, hat Ullrich im Winter vergleichsweise wenig zugenommen, womit wiederum seine Chance zunehmen könnte, Armstrong einmal ernsthaft zu fordern.

Jedenfalls stehen Ullrich starke Helfer zur Seite. In der Schweiz wird er u. a. von Giuseppe Guerini und Daniele Nardello unterstützt; bei der Tour de France werden sich wohl mit Alexander Winokurow, Andreas Klöden und Oscar Sevilla drei weitere starke Bergfahrer im T-Mobile-Aufgebot finden. Im Vor- jahr hat Ullrich die Tour de Suisse eine Sekunde vor dem Schweizer Fabian Jeker gewonnen. "Natürlich ist die Schweiz-Rundfahrt wichtig für mich", betont der Deutsche, "aber ich mache mich nicht kaputt, um zu siegen."

Als erster Formtest steht am Sonntag ein 36 Kilometer langes Einzelzeitfahren an. Zwei Bergankünften in Arosa (6. Etappe) und Verbier (8.) folgt zum Abschluss die Königsetappe von und nach Ulrichen mit drei Anstiegen der höchsten Kategorie. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 10. Juni 2005 fri, sid)

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