Die Bezirksvorsteherin des zwölften Bezirks Gabriele Votava im E-Mail- Interview über Stärken und Probleme von Meidling
derStandard.at hat seine Wien-Berichterstattung um Bezirksseiten erweitert. In einer E-Mail-Interviewserie stellen wir aus diesem Anlass die BezirksvorsteherInnen der einzelnen Bezirke vor. An der Spitze des zwölften Wiener Gemeindebezirks steht seit 2003 Gabriele Votava (SPÖ).
***derStandard.at: Was zeichnet Ihren Bezirk aus?
Votava: Meidling ist im Laufe seiner Geschichte aus fünf Dörfern entstanden, die verschiedener nicht sein könnten und die letztlich zu einem Bezirk zusammengewachsen sind. Stellt man etwa die alten Ortskerne Altmannsdorfs und Hetzendorfs den weit dichter bebauten Bezirksteilen von Gaudenzsdorf, Ober- und Untermeidling gegenüber, so stehen diese in scheinbarem Widerspruch zueinander. Gerade dieser Widerspruch macht jedoch die Vielfalt und vor allem den Charme unseres Bezirkes erkennbar.
derStandard.at: Ihr Lieblingsplatz im Bezirk?
Votava: Mein Lieblingsplatz ist immer der, auf dem ich mit möglichst vielen Menschen in Kontakt treten und mit ihnen kommunizieren kann.
derStandard.at: Was sind die größten Probleme in Ihrem Bezirk?
Votava: Eines der größten Probleme ist sicherlich das Verkehrsproblem. Meidling wird von einer ganzen Reihe sogenannter Hauptleistungsverkehrsträger, wie Bundes- und Hauptstraßen, durchschnitten oder tangential berührt.
Dies bedeutet, dass unser Bezirk eine Menge an Transitverkehr zu verkraften hat, was vor allem die hievon unmittelbar betroffenen AnrainerInnen stark belastet. Hinzu kommt, dass Meidling, was öffentliche Verkehrsmittel betrifft, hervorragend angebunden bzw. aufgeschlossen ist.
Das bedeutet aber auch, dass viele Einpendler den Weg in unseren Bezirk finden und hier auf das öffentliche Verkehrsmittel umsteigen und ihren Weg auf diese Weise fortsetzen, was die Parkplatzsituation in unserem Bezirk, vor allem seit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung in den Bezirken Wieden und Margareten dramatisch verschlechtert hat.
derStandard.at: Welche Faktoren sind für die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk entscheidend?
Votava: Einen wichtigen Faktor stellt das regionale Wirtschaftsservice, das vor einigen Jahren eingerichtet wurde, dar. Auf diesem Wege ist es möglich, vor allem Klein-und Mittelbetriebe zu fördern, zu beraten und bei ihrer wirtschaftlichen Weiterentwicklung zu unterstützen.
Gleichzeitig kann hiedurch der Kontakt zwischen Wirtschaft und Behörde, aber auch der Politik intensiviert und damit auch eine Atmosphäre gegenseitigen Verstehens und der Zusammenarbeit geschaffen werden.
derStandard.at: Was sind die Schwerpunkte Ihrer bezirkspolitischen Tätigkeit?
Votava: Bei meiner Tätigkeit ist mir der Kontakt mit den Meidlingerinnen und Meidlingern besonders wichtig. Man erfährt einerseits, wo der Schuh drückt, kann aber im persönlichen Gespräch auch Verständnis für Maßnahmen erwerben, die dem Interesse des Bezirkes zwar insgesamt dienlich sind, jedoch und dies kann manchmal vorkommen, den Interessen einzelner BürgerInnen nicht unmittelbar entsprechen.
derStandard.at: Laufen in Ihrem Bezirk BürgerInnenbeteiligungsverfahren?
Votava: Das Thema "BürgerInnenbeteiligung" hat in Meidling durchaus Tradition,
was auch durch zahlreiche, zu den verschiedensten Themen abgehaltene BürgerInnenversammlungen bzw. Informationsveranstaltungen belegt wird.
Als exemplarisch kann hiefür die Bebauung der ehemaligen KDAG – Gründe angesehen werden. Von den AnrainerInnen wurden aus ihrer Mitte BeirätInnen gewählt, die auch an den Sitzungen der Jury teilgenommen und das Projekt von Beginn an bis zur Baureife begleitet haben. Auch heute noch, während der Bauführung selbst, sind die Beiräte in die Abwicklung miteingebunden, weswegen auch das genannte Projekt stehts von der Akzeptanz der AnrainerInnen begleitet war.
Ein zweites Beispiel aus jüngerer Zeit ist die Bebauung der ehemaligen Komet- Gründe. Hier wurden die Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes in Form einer Ausstellung und einer BürgerInnenversammlung vorgestellt bzw. die Meinungen der BürgerInnen eingeholt.
Deren ablehnende Haltung gegenüber dem Ergebnis des Wettbewerbs wurde von der Bezirksvertretung aufgegriffen und in Form eines "Positionspapiers" an die Stadtplanung weitergeleitet, was eine Neu- bzw. Umplanung des Vorhabens nach sich zieht, in der auch die Wünsche der AnrainerInnen berücksichtigt werden.
derStandard.at: Ihre Strategie in Sachen Hundekotproblem?
Votava: Grundsätzlich bin ich der Ansicht, das Bewusstseinsbildung und Aufklärung oberste Priorität haben.
Natürlich bedarf es darüber hinaus flankierender Maßnahmen, wie etwa dem Angebot von Hundekotautomaten, Hundezonen etc.
Noch vor dem Sommer wird Meidling einvernehmlich mit der Magistratsabteilung 42 – Stadtgartenamt und der Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschafts- und Stadtreinigung eine größere Aktion durchführen, die sich diesem Thema widmen wird.
derStandard.at: Wie stehen Sie zur Einführung von "Schutzzonen" im Bereich von Schulen?
Votava: Grundsätzlich scheint es mir noch zu früh, um ein endgültiges Urteil über die Qualität und die Auswirkung von Schutzzonen abzugeben.
Ich gebe aber schon jetzt zu bedenken, dass eine Schutzzone mit größter Wahrscheinlichkeit einen Verdrängungseffekt nach sich ziehen wird, wodurch eigentlich nur eine Verlagerung der Probleme stattfindet.
Dies ist vor allem dann bedenklich wenn sich, wie im Falle der Schutzzone bei der AHS Diefenbachgasse im relativen Nahbereich eine von den SchülerInnenzahlen her weit größere Schule, wie die Hans Mandl Zentralberufsschule in der Längenfeldgasse mit ca. 3000 SchülerInnen befindet. Darüber hinaus muss ich darauf hinweisen, dass die Errichtung von Schutzzonen in den Kompetenz- und damit aber auch in den "Verantwortungsbereich" der Exekutive fällt.
derStandard.at: Gibt es im Bezirk Maßnahmen für die Integration von Minderheiten?
Votava: Gerade in den letzten zwei Jahren hat eine Reihe von Veranstaltungen stattgefunden, die sich diesem Thema gewidmet haben.
So wurden von mir Deutschkurse unterstützt, den erfolgreichen AbsolventInnen wurden im Rahmen einer kleinen Feier Urkunden überreicht.
Darüber hinaus ist mir ein regelmäßig Kontakt mit verschiedenen Einrichtungen deren Mitglieder z.B. aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei, aus Indien etc. kommen wichtig.
Da diese Einrichtungen meist "männerdominiert" sind, habe ich einvernehmlich mit der Geschäftsgruppe Integration und Frauenfragen vor kurzem zu einer Migrantinnenveranstaltung in meinem Büro eingeladen.
derStandard.at: Haben Sie ein politisches Vorbild?
Votava: Hertha Firnberg
derStandard.at: Mit welchen Eigenschaften würde Sie ein Freund charakterisieren?
Votava: Mit beiden Beinen im Leben stehend, weltoffen, humorvoll, vorurteilsfrei.
derStandard.at: Ein persönlicher Tipp für Ihren Bezirk?
Votava: Wandern Sie mit uns auf den Spuren der Geschichte Meidlings und mit Hilfe des Meidlinger Kulturwanderweges. Dieser erscheint in drei Teilen. Der erste Teil liegt in der Bezirksvorstehung zur Abholung bereit.