Premier für Geste gegenüber sudetendeutschen Antifaschisten

13. Juli 2005, 17:52
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Paroubek will aber "kein Zugeständnis gegenüber dem militanten Teil der Landsmannschaft"

Prag - Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek hat sich für eine symbolische Geste gegenüber sudetendeutschen Antifaschisten ausgesprochen. In einem Artikel für die Tageszeitung "Pravo" schrieb er, es sollte sich um eine Geste handeln, mit der die Tschechen zu erkennen gäben, dass sie sich eines bestimmtes Anteils an der geschichtlichen Verantwortung für die "Massenabschiebung" der ehemaligen sudetendeutschen Bürger bewusst seien.

Einer "Massenabschiebung", bei der das aus der damaligen Sicht begreifliche, heute aber schon unannehmbare Prinzip der Kollektivschuld geltend gemacht worden sei. Auf dieser Grundlage seien in verschiedenen Phasen aus der Tschechoslowakei über drei Millionen Sudetendeutsche "abgeschoben" worden, einschließlich vieler, die in den Zeiten des tragischen "Münchner Verrates" loyal zur (tschechoslowakischen) Republik geblieben seien und im Lauf des Krieges auf der Seite der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime gestanden seien und sich aktiv am antifaschistischen Widerstand beteiligt hätten, so Paroubek.

"Kein Zugeständnis"

"Vor allem gegenüber jenen sollte die Geste des guten Willens gerichtet sein, ohne jedoch zu vergessen, dass die Abschiebung der einstigen Mitbürger deutscher Nationalität die Folge von sehr tragischen, durch Nazi-Deutschland verursachten Ereignissen war", schrieb der Premier. In diesem Zusammenhang fügte er hinzu, dass sich an diesen Ereignissen, die vielen Völkern Europas, einschließlich der Tschechen und Slowaken, unermessliches Leid gebracht hätten, die "absolute Mehrheit der Sudetendeutschen" beteiligt habe. "Aktiv sowie passiv - und das kann man nicht vergessen".

"Wir verstehen also diese Geste nicht als ein Zugeständnis gegenüber dem militanten Teil der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sondern als eine Geste, welche die Freundschaft zwischen den heutigen Tschechen und Deutschen in einem friedlichen, sich vereinigenden Europa vertiefen sollte", schrieb Paroubek in dem Artikel, in der er mehrere Beispiele der Aktivitäten von sudetendeutschen Antifaschisten und deren Verfolgung durch Nationalsozialisten auszählte. "Haben wir den Mut, das anzuerkennen, und versuchen wir das historische Unrecht zu mildern, das man diesen deutschen Antifaschisten in der Vergangenheit zufügte", betonte der tschechische Ministerpräsident. (APA)

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