Verärgerung, Freude und Ratlosigkeit

4. Juli 2005, 14:05
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Äußerst gemischte Reaktionen auf Apples neue Partnerschaft mit Intel - ExpertInnen sehen Potential aber auch Probleme

Die Reaktionen auf Apples CPU-Schwenk könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Steve Jobs und seine Partnerfirmen wie Adobe demonstrative Freude über den Wechsel signalisierten, regiert in Online-Diskussionsforen und Weblogs von Mac-Fans bisher eher eine Mischung aus Verblüffung, Ratlosigkeit und teilweise auch Verärgerung.

Probleme

So ist vielen Fans nicht so ohne weiteres zu verkaufen, warum nun gerade mit dem einstigen Erzfeind kooperiert wird, viele befürchten gar ein Ende der selbst empfundenen Überlegenheit der Apple-Rechner. An dieser Wahrnehmung ist freilich der Computerhersteller selbst nicht ganz schuldlos, hat man doch die Ablehnung der Wintel-Welt (Windows + Intel) jahrelang zu einem Identifikationspunkt für Mac-AnhängerInnen gemacht. Die überdurchschnittlich starke emotionale Verbundenheit der Mac-UserInnen mit ihrer Plattform könnte so jetzt zu einem ernsthaften Problem für Apple werden.

Zahlen

Verschärfend kommt hier wohl auch noch hinzu, dass Apple bis zuletzt mit fragwürdigen Zahlen versucht hat, zu "beweisen", dass der PowerPC G5 ohnehin schneller als aktuelle x86-Prozessoren sei. Der Architekturwechsel – und die damit verbundenen Argumentationen von Steve Jobs – holt hier viele Fans recht abrupt auf den Boden der Realität zurück.

Potential

Zwiespältig hingegen die meisten Kommentare von Branchen-ExpertInnen: So wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass der Wechsel technologisch durchaus Sinn mache und auch neue Märkte eröffnen könnte, allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass der Umstieg für Apple kein leichter werden wird. Denn es könnte dem Computerhersteller schwer fallen in nächster Zeit eine "sterbende Plattform" – und als solche werden die PowerPC-Macs wahrgenommen werden, auch wenn Steve Jobs versichert, dass der Support auf Jahre hinaus weitergehen soll – zu verkaufen.

Entwicklung

Dazu kommt noch der Unsicherheitsfaktor EntwicklerInnen: Es wird für Apple essentiell sein, diese vom Umstieg zu begeistern, dass es in dieser Hinsicht noch einiges an Arbeit zu tun gibt, sollte dem Computerhersteller spätestens nach den laut Presseberichten recht verhaltenen Reaktionen auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) klar sein.

Migration

Viel wird natürlich davon abhängen wie leicht die Umsetzung von jetzigen Mac OS X Programmen auf die neue Plattform vonstatten gehen wird. So einfach wie auf der WWDC demonstriert – bei "Mathematica 5" reichte die Änderung von 20 Zeilen Code in der umfangreichen Software – wird es wohl nicht bei allen vonstatten gehen. Auch wenn der Umstieg deutlich einfacher werden sollte als beim letzten großen Bruch, dem Wechsel von Mac OS 9 auf Mac OS X.

Kommentare

Wenig erfreut über die montäglichen Ankündigungen zeigt man sich erwartungsgemäß auch beim Intel-Konkurrenten AMD, schließlich hätte man den Deal selbst gerne an Land gezogen, Apple hab schlicht "nicht die beste Wahl" getroffen, heißt es. Erstaunlich gelassen hingegen die ausgebooteten Chip-Lieferanten Freescale und IBM. Bei Freescale mache die Produktion für Apple gerade mal drei Prozent der Gesamteinnahmen aus, so Tim Doke, Vizepräsident des Unternehmens. Bei IBM verweist man darauf, dass man derzeit an einer aggressiven Weiterentwicklung der PowerPC-Reihe arbeite, allerdings jenseits des PC-Marktes, wie IBM-Specher Glen Brandow in Anspielung auf die nächste Generation von Spielekonsolen festhält.

Aktien

Geht es nach den Reaktionen der Märkte so sind vorerst alle Beteiligten Verlierer, so haben sowohl die Aktien von Apple und Intel als auch die von IBM nach der Ankündigung durch Steve Jobs leicht nachgegeben. (apo)

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