Ich bin 1966 geboren und fühle mich sicher am Holocaust nicht schuldig. Trotzdem macht es mich tief betroffen, wenn das offizielle Österreich in Gedenkjahren möglichst alles unter den Teppich kehrt, was Österreichs Mitschuld am Holocaust - und daran besteht leider keine Zweifel - betrifft. Das halte ich für äusserst ungesund und kontraproduktiv.
Wir als ÖsterreicherInnen tun gut daran, in Erinnerung zu behalten, dass Rassenhass und Genozid nicht immer nur woanders passiert ist, sondern auch hier, zu Hause, unter Mitwirkung oder Duldung der meisten unserer Vorfahren. Das sollte ein bisschen Demut bewirken, im Sinne von: Keiner ist gefeit; und das schadet auch uns, der Nachkriegsgeneration, nicht.
Ein Versuch, die wenig Besitzenden gegeneinander auszuspielen.
Die Idee ist dabei, von den wirklichen Kriegsgewinnlern abzulenken. Und bisher hat das immer ausgezeichnet funktioniert.
Mit Argumenten wie:
Du fährst ja heute noch auf der Westautobahn, die z. T. von Arbeitern unter sklavenartigen Bedingungen gebaut wurde.
Oder: Deine Wohnung hat mal Juden gehört.
Ob wahr oder nicht, ist gar nicht relevant. Entscheidend ist, dass die Millioneneinstreifer sich auf diese Weise mit dem Kleinbürger auf eine Stufe stellen können, was "profitieren" z. B. aus Arisierungen betrifft. Dadurch sind sie unangreifbar gemacht worden.
"...the poor stay poor, the rich get rich, everybody knows..." ( Cohen )
Es hat sich nichts geändert, oder ?
Napoleon hat in ganz Europa und Ägypten Jahrzehnte lang Eroberungsfeldzüge geführt, unter anderem Österreich besetzt und niedergebrannt, Männer sämtlicher eroberter Nationen in seine Armee gezwungen und dort verheizt. Genozid ist das zwar keiner, aber auch nicht gerade ein Ausweis für Rechtmäßigkeit oder Humanität. Napoleon wird, wie viele andere Diktatoren, in seiner Heimat als Held verehrt. Sympathisch ist das nicht.
der ihn nie erlebt hat ????
Natürlich steigt mit der zeitlichen Entfernung zum Ereignis auch das Unwissen. Und jede neue Nachkriegsgeneration kann sich naturgemäß gar nicht an den zweiten Weltkrieg erinnern.
Aber ich betrachte das als Normalisierungsprozess, der eine Gemeinsamkeit zu anderen europäischen Staaten schafft, die auch nicht permanent über den zweiten Weltkrieg nachdenken.
So gesehen wird Österreich durch das Vergessen, durch die Entfernung zum zweiten Weltkrieg europäischer.
wir reden hier nicht von irgendsoeinem genozid. wir reden von auschwitz, dem holocaust und der furchtbarsten epoche, die diese erde je erlebt hat.
so ein pech nur, dass die jenigen, die das planten und durchführten zu einem überproportional großen teil österreicher waren.
ich rede nicht von erbschuld, sondern von einer moralischen verantwortung für jedermann, der "stolz ist ein österreicher zu sein'", sich an das zu erinnern, was andere, die "stolz waren, deutsche zu sein", verbrochen haben, und zu verhindern, dass so eine scheiße noch einmal passiert. (das war übrigens eine ganz ganz große scheiße)
Werte. Viele haben damals profitiert und selbst die Erben der Profiteure profitieren noch heute.
Es interessiert aber nicht wirklich die Leute, wirkt aber im Unterbewußtsein mit an ihren Einstellungen zur Vergangenheit. Auch Desinteresse ist eine der möglichen Einstellungen dazu.
wer profitiert nicht zumindest indirekt von irgendeinem Unrecht aus der Vergangenheit?
Profitiert Israel nicht davon, daß man den Arabern nach dem 2. WK das Palästina weggenommen hat? Die Amerikaner, daß man den Indianern das Land gestohlen hat usw. usf... Leugnen ist zwecklos, ebenso ewig langes Herumreiten auf diesem Faktum. Meine Vorfahren mußten auch aus ihren Häusern fliehen - ich käme ja gar nicht auf die Idee, diese Häuser heute zurückzufordern... Was können die Leute dafür, daß sie heute dort leben. Soll ich sie von "meinem" Land verjagen - ich, der es nicht braucht und sie, die vielleicht nichts anderes haben?
Wie gesagt, ich kenne viele Menschen, aber es ist wirklich kein einziger dabei, der oder dessen Eltern wirklich von einer Arisierung profitiert hat.
Meine Mutter wurde damals aus Danzig vertrieben u mußte, wie viele andere, ihre Eigentumswohnung, ihr bisheriges Leben zurücklassen - diese Schicksale interessieren niemanden.
Profitiert haben einige, mehrere, von mir aus viele oder auch alle Nazis von den Arisierungen.
Die Entschädigungen zahlen aber alle Steuerzahler, auch die, deren Vorfahren nicht nur nichts davon geraubt und keinen persönlichen Vorteil gezogen haben, sondern oft selber Verfolgte oder Beraubte im Nationalsozialismus waren.
Wenn man bedenkt, wie gering die Entschädigungen ausfallen, heißt das, dass in Wahrheit die Legalisierung der Arisierungen aus der öffentlichen Hand nachfinanziert wird.
Ich bezahle also durch meine Steuern den Vertrag, der den Arisierungsgewinnern Rechtssicherheit beschert. Und die Gewinner waren wie immer die Eliten, oder ?
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.