Warum Ignoranz sterben lässt

28. März 2006, 11:28
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Der Begriff "Leben" trägt in vielen Ländern Afrikas eine ganz eigene, bizarr anmutende Bedeutung. Gewalt, sexuelle Übergriffe und massive Korruption sind fixe Bestandteile

Der Begriff „Leben“ trägt in vielen Ländern Afrikas eine ganz eigene, bizarr anmutende Bedeutung. Gewalt, sexuelle Übergriffe und massive Korruption sind fixe Bestandteile im Alltag der durch Bürgerkriege gezeichneten Länder. Hunger und Krankheit treten als ständige Begleiter der Bevölkerung auf, rauben ihr die Kraft sich gegen die inakzeptablen politischen und wirtschaftlichen Zustände zur Wehr zu setzen. Gerade in Regionen wo menschliche Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden fällt es leicht Ausbeutung, Korruption und Misswirtschaft zu betreiben.

Natürlich ist im westlichen Raum der Afrikanische Kontinent als der „Krisenkontinent“ schlechthin bekannt, doch kaum jemand weiß mehr über Afrika, als dass dort Menschen in verheerender Armut leben. Die Auseinandersetzung mit diesen untragbaren Zuständen findet so gut wie gar nicht statt. Elend und Armut in diesem Ausmaß verkaufen sich eben nicht gut. Die Medienwelt kennt ihre Grenzen, die dort gezogen werden, wo die vermeintliche Hoffnungslosigkeit beginnt. Den 900.000 an HIV-infizierten Menschen in Malawi, hilft diese Ohnmacht freilich wenig. Nicht nur am Afrikanischen Kontinent finden humanitäre Katastrophen statt, die von der westlichen Welt ignoriert werden.

Etwa Bangladesch, das die höchste Bevölkerungsdichte der Welt besitzt, wo es keine angemessene öffentliche Gesundheitsversorgung gibt und das für westliche Standards als stark unterentwickelt gilt, stellt einen solchen Fall da. In sechs Monaten wurde Bangladesch fünf Mal in den österreichischen Printmedien erwähnt. Als Farce erscheint die österreichische Medienberichterstattung, wenn man die Zahl der Nennungen von beispielsweise Italien (10.238) oder der USA (20.094) betrachtet. Im Idealfall gibt einem das jetzt zu denken. Die Medien stellen eben nicht einen unantastbaren Hüter von Moral und Gerechtigkeit da, sondern sind an die Gesetze des Marktes gebunden. Und da bestimmt die Nachfrage den Inhalt.

Wenn also ein Bericht über eine humanitäre Katastrophe gesendet wird, der Gewalt und Elend in dem real existierenden Ausmaß zeigt und dieser Entsetzen und Hilflosigkeit auslöst, führt das in den meisten Fällen zu Ignoranz, was die Sinnhaftigkeit eines Informationsmediums immens in Frage stellt. Genau hier liegt der Einflussbereich des Einzelnen. Erst Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit diesen „Vergessenen Ländern“ ermöglicht Hilfe und Unterstützung, die für so viele Menschen lebensnotwendig wäre.

Von Patrizia Stutzenstein

Dieser Text entstand beim Jung-Reporterwettbewerb von Ärzte ohne Grenzen und dem SchülerStandard. Die zwei Siegertexte sind jede von Lisa Hochfellner und Markus Kirchsteiger, die anderen drei sind zweitplatziert. .

Termin zum Thema: Podiumsdiskussion "Vergessene Katastrophen - Österreichs Verantwortung in der Welt"
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