Mit Lob überschütteter Teenager

9. Dezember 2005, 10:31
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Rafael Nadal krönte sich mit einer unglaublichen Leidenschaft zum neuen Sandplatzkönig: "Das liegt in meiner Natur, ich gebe niemals auf"

Paris - Aus den Händen von Zinedine Zidane durfte der French-Open-Sieger Rafael Nadal den silbernen Siegerpokal entgegen nehmen. Noch während der Nationalhymne fachsimpelten der begeisterte Fan und sein Idol über Fußball. "Er hat gesagt, ich bin ein Phänomen", erzählte Nadal strahlend, und es schien, als sei ihm dieser Satz wichtiger als alle Superlative, mit denen er nach seinem Triumph überschüttet wurde.

"Spanien hat jetzt zwei Könige!"

"Nadal, der Außerirdische", titelte die französische Sportzeitung "L'Equipe" am Montag. In Nadals Heimat überschlugen sich die Schlagzeilen. "Paris liegt ihm zu Füßen", stellte "El Mundo" fest. "Rafa, du bist der König der Sandplätze", hieß es bei "Marca". Und die Sportzeitung "As" schrieb unter ein Foto mit Nadal und König Juan Carlos: "Spanien hat jetzt zwei Könige!"

Was mit ihm passiert, hat der Tennis-Teenager noch nicht realisiert. "Dieser Sieg wird mich nicht verändern. Ich bleibe, wer ich bin. Ich bin immer noch ein 19-Jähriger, der tut, was er will", betonte Nadal. Mit einem 6:7 (6:8),6:3,6:1,7:5-Sieg im Finale über den ungesetzten Argentinier Mariano Puerta hatte das Wunderkind aus Mallorca als erster Spieler seit Mats Wilander die French Open gleich bei seinem Debüt gewonnen.

"Er wird eine Legende"

Dem jüngsten Grand-Slam-Sieger seit Michael Chang 1989, der für den ersten Linkshänder-Triumph seit Thomas Muster 1995 (der einzige österreichische Grand-Slam-Sieg jährt sich am 11. Juni zum zehnten Mal), wird nun eine große Zukunft prophezeit. "Wir sprechen über einen, der ein neues Kapitel im Tennis schreiben wird. Er wird eine Legende", lautete die Prognose des unterlegenen Puerta.

Der Argentinier hatte seinen Teil dazu beigetragen, dass das erste French-Open-Endspiel zweier Linkshänder zu einem echten Kracher wurde. Doch selbst spektakuläre Hechtsprünge a la Becker reichten Puerta nicht, um einen seiner drei Satzbälle im vierten Durchgang zu verwandeln. Auf der anderen Seite des Netzes stand einer, der mit unbändiger Energie noch leidenschaftlicher um jeden Ball kämpfte.

"Ich gebe niemals auf"

"Das liegt wohl in meiner Natur. Ich gebe niemals auf", sagte Nadal. Die weiße Piratenhose übersät mit roten Sandflecken, die schwarzen Haarsträhnen schweißverklebt, feierte er am Ende des engen vierten Satzes jeden Punkt mit gewaltigen Freudensprüngen und weit aufgerissenem Mund. Jedes Mal, wenn er die Faust ballte, drohte sein riesiger Bizeps zu platzen. "Man hat das Gefühl, er explodiert jeden Moment", sagte Puerta voller Bewunderung. "Er ist der beste Spieler der Welt auf Sand." Mit sechs Titeln auf seinem Lieblingsbelag und nur zwei Niederlagen in 40 Matches hat Nadal das eindrucksvoll bewiesen.

Doch zu jenen aus Spaniens Sandplatz-Armada, die nach Paris keinen weiteren Grand-Slam-Titel mehr holten, möchte Nadal nicht gehören. "Ich will irgendwann alle Grand-Slam-Turniere gewinnen", erklärte Nadal, der genau weiß, wo er seine Schwächen hat: "Mit meinem Aufschlag bekomme ich Probleme auf jedem anderen Belag, und auch mein Volley-Spiel muss ich verbessern, wenn ich auf Rasen gut sein will."

Auf nach Halle

Von Paris flog Nadal am Montag nach Halle, wo Roger Federer schon auf ihn wartete. Der Weltranglistenerste könnte in "Klein-Wimbledon" in Westfalen wie schon bei den French Open im Halbfinale auf den Teenager treffen. Doch auf Gras gelten andere Gesetze. Federer ist auf diesem Belag seit zwei Jahren ungeschlagen. Die Punktgleichheit der Rivalen an der Spitze der Jahresweltrangliste dürfte also nur eine Momentaufnahme sein.

Auf jeden Fall wird Nadal eine der Top-Attraktionen bei der heurigen BA-CA-Trophy in der Wiener Stadthalle. Besonders wichtig ist das auch deshalb, weil der Start des Australiers Lleyton Hewitt - seine Verletzung hat den Turnierplan umgestoßen - mehr als unsicher geworden ist. Die Turnierleitung ist jetzt schon stolz. An Nadals Engagement habe man seit zwei Jahren gearbeitet, hieß es.(APA/dpa)

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Vamos Rafael

Finali seit 1995

1995 Thomas MUSTER (AUT) - Michael Chang (USA) 7:5,6:2,6:4

1996 Jewgenij Kafelnikow (RUS) - Michael Stich (GER) 7:6,7:5,7:6

1997 Gustavo Kuerten (BRA) - Sergi Bruguera (ESP) 6:3,6:4,6:2

1998 Carlos Moya (ESP) - Alex Corretja (ESP) 6:3,7:5,6:3

1999 Andre Agassi (USA) - Andrej Medwedew (UKR) 1:6,2:6,6:4,6:3,6:4

2000 Gustavo Kuerten (BRA) - Magnus Norman (SWE) 6:2,6:3,2:6,7:6

2001 Gustavo Kuerten (BRA) - Alex Corretja (ESP) 6:7,7:5,6:2,6:0

2002 Albert Costa (ESP) - Juan Carlos Ferrero (ESP) 6:1,6:0,4:6,6:3

2003 Juan Carlos Ferrero (ESP) - Martin Verkerk (NED) 6:1,6:3,6:2

2004 Gaston Gaudio (ARG) - Guillermo Coria (ARG) 0:6,3:6,6:4,6:1,8:6

2005 Rafael Nadal (ESP) - Mariano Puerta (ARG) 6:7 (6),6:3,6:1,7:5

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    Nadal, Sandplatz-Herrscher.

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