Achtziger mit ABS

9. März 2006, 23:01
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Honda designt sein Big Bike retro und liegt mit der CB 1300 S gar nicht falsch - Harald Fidler reitet wieder für derStandard.at

Man muss sich das so vorstellen: Honda beschließt, seinem Big Bike CB 1300 Mitte der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts ein bisschen Windschutz zu gönnen. Wer kommt da nicht auf die Idee, diese Halbverkleidung zu designen, als schriebe man gerade Mitte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts? Was denn sonst?

Kommt ziemlich gut

Genau das tat Honda also. Mit gutem Grund: Das Design soll an die Superbikes vor – ja, inzwischen doch zwei Dekaden erinnern. Ich bin ja nicht unbedingt der dickste Freund des Retrodesigns, aber in dem Fall kommt das doch ziemlich gut.

foto: werk

Aus dem Schanigarten blicken dir vielleicht nicht die staunenden Augen entgegen, auf der Straße drehen sich auch die wenigsten um. Kurzum: Man führt ein etwas unauffälligeres Zweiradleben als zum Beispiel auf der neuen K 1200 R. Aber das bedeutet noch lange keine Langweile.

Die CB 1300 bekam schließlich mit der Verkleidung auch ein kleines S hintendran, und das klingt doch – siehe Achtzigerjahresuperbikes – irgendwie nach Sport.

foto: werk

Mit fahrfertig immerhin 264 Kilo hält das gute Stück naturgemäß nicht mehr recht mit 600-er Sportlern des Jahrgangs 2005 mit, mit den 1000-ern ebensowenig. Aber das eine oder andere Mal zur Dopplerhütte geprügelt machte das etwas dickere Schiff auch in engen Kurven Freude. Nicht minder in der Stadt übrigens.

foto: werk

Die 85 Kilowatt, also 116 PS, reichen völlig für die forcierte Fortbewegung, die 117 Newtonmeter Drehmoment aus mittleren Drehzahlen tun mehr als das. Stets beherrschbar, wohlgemerkt. Mit dem kleinen, feinen, wohl dosierten Hinterradschmieren am Kurvenausgang.

An frischeren Maimorgen (und idiotischerweise mit Jethelm) auf der Autobahn duckt man sich mit diesen Möglichkeiten schon ziemlich tief hinter die Halbverkleidung, wenn die Gashand etwas forscher zu Werke geht. Brrrrr.

ABS funkt

Normal behelmt bietet die Schale ausreichend Schutz auch bei höherem Tempo. Apropos: 230 sind laut Zulassung schon drin. Die fachgerecht zu verzögern, lohnt sich ABS, das ebenfalls mit der aktuellen Saison für die CB 1300 auf den Markt kam. Funkt klaglos nach meinen (Alltags-)Erfahrungen.

foto: werk

Was stört? Nichts so richtig. Wer mäkeln will, hört die neue Verkleidung bei manchen Drehzahlen ein bisschen lauter Vibrieren. Der meckert vielleicht ein bisschen über die digitale Benzanzeige, die bisweilen recht sprunghaft zwischen Öhasowenig und Reichtnochewig pendelt.

Notfalls tankt man halt einmal zu oft. In die Gefahr trocken liegen zu bleiben, kam ich jedenfalls nicht. Am Testmotorrad hakte die Schaltung zudem ein bisschen – jedenfalls ziemlich untypisch für Honda.

Zurück in einem Stück

Ich glaube ja, mehr als eine ordentliche 600-er braucht man eigentlich nicht, vertraute ich Frau Seiner von Honda an, als ich ihr die kleine Hornet in einem Stück zurückbrachte. Dann gab sie mir die CB 1300. Ich überleg mir das vielleicht nochmal.

Mehr zur vor allem optisch aufpolierten Hornet mit den Dämpfern von der Rennkollegin 600 RR demnächst hier. (Harald Fidler, derStandard.at, 6.6.2005)

Honda CB 1300S
Preis: EUR 13.190,-

Vierzylinder-Motor, DOHC, 16 Ventile, Hubraum: 1284 cm³, Max. Leistung: 85 kW (116 PS)/7500 U/min, 5-Gang, Tank: 21 l,
Radaufhängung vo.: 43 mm Teleskopgabel, hi.: Schwinge, ABS,
Eigengewicht 236 kg, Zuladung 188 kg,
Top-Speed über 200 km/h

Link
Honda

  • Honda CB 1300 S: Gruß aus dem vorigen Jahrhundert.
    foto: werk

    Honda CB 1300 S:
    Gruß aus dem vorigen Jahrhundert.

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