Federer: "Nur in der Mitte gut"

9. Dezember 2005, 10:31
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Roger Federer musste im Halbfinale die Überlegenheit von Jungstar Rafael Nadal anerkennen, hat aber seinen ersten Grand-Slam-Sieg auf Sand weiter fest im Blick

Paris - Roger Federer ist beim Versuch, den letzten Gipfel der Tennis-Welt zu erklimmen, gescheitert. Wie Boris Becker, Pete Sampras, Stefan Edberg, Jimmy Connors, Arthur Ashe und John Newcombe fehlt dem Schweizer weiter ein Sieg bei den French Open. "Die Motivation für das nächste Jahr ist nun umso größer", sagte Federer nach der 3:6,6:4,4:6,3:6-Halbfinal-Niederlage gegen Rafael Nadal.

Wie groß seine Sehnsucht nach der bisher nur von Fred Perry, Don Budge, Rod Laver, Roy Emerson und Andre Agassi erreichten, kompletten Grand-Slam-Sammlung ist, stand dem Weltranglistenersten ins Gesicht geschrieben. "Man weiß nie, wie viele Chancen man bekommt, so ein Turnier zu gewinnen. Ich hatte gute Ansätze, aber ich konnte es nicht durchziehen. Ich war nicht konstant genug", erklärte Federer mit Tränen in den Augen.

Nicht gut genug

Erstmals im siebenten Anlauf war er in Paris ins Halbfinale eingezogen und hatte bis dahin keinen Satz verloren. Dann kam der junge Spanier und machte in einem Match die Arbeit von knapp zwei Wochen zunichte. Federers Erklärung dafür fiel recht simpel aus: "Ich habe schlecht begonnen und schlecht aufgehört. Nur in der Mitte der Partie war ich gut, doch das hat nicht gereicht."

Anders als im Finale des Masters-Turniers in Miami, als Federer schon zwei Sätze zurücklag, war er diesmal nicht in der Lage, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Nadal ("Federer ist der beste Spieler der Welt") war zu stark an diesem Tag, und Federer hatte für die atemberaubende Vorstellung seines jungen Herausforderers nur lobende Worte: "Er war besser als ich heute. Er spielt einen unglaublichen Spin. Das war einer der Gründe für die Niederlage."

Hilfe von Roche

In 49 Matches in diesem Jahr ging Federer nur drei Mal als Verlierer vom Platz, zwei Mal davon auf Sand. Trotzdem hat er mit Hilfe des früheren Lendl-Trainers Tony Roche viel erreicht in dieser Sandplatz-Saison. "Tony hat sich entschieden, auch noch mit nach Wimbledon zu gehen. Das hat mich sehr gefreut, denn er kann mir sicher noch wertvolle Tipps geben", betonte Federer, den eine große Lernbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstkritik auszeichnet - auch nach zwei WM-Titeln (2003, 2004), zwei Wimbledonsiegen (2003, 2004), dem Gewinn der Australian und der US Open (beide 2004).

Die Wunden, die Paris hinterlassen hat, sollen nun mit Erfolgen in der Rasensaison heilen. Ab Montag schlägt der Titelverteidiger in Halle auf. "Ich freue mich darauf, dass ich jetzt auf Gras loslegen kann", weiß Federer um seine Stärke auf seinem Lieblingsbelag; auf dem er seit zwei Jahren kein Match mehr verloren hat. (APA/dpa)

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