Aufregung um Schleichwerbung im deutschen Fernsehen

6. Juli 2005, 15:16
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"Spiegel": Kommunikationsagentur habe Pharmakonzern redaktionelle Beiträge in einer Ratgebersendung auf n-tv angeboten - Verdacht gegen Bavaria-Serien in ARD und ZDF

Der Verdacht gegen die deutsche Bavaria-Film, in verschiedenen Serienproduktionen wie "Marienhof" (ARD) und "Rosenheim-Cops" illegale Werbebotschaften platziert zu haben, sorgt für Aufregung in der Medienbranche. Nach "Spiegel"-Informationen ist Schleichwerbung kein Einzelfall. So habe eine Gütersloher Kommunikationsagentur einem großen Pharmakonzern redaktionelle Beiträge in einer Ratgebersendung auf n-tv angeboten, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab. Ein Sprecher von n-tv erklärte dem Blatt: "Es gibt immer wieder Agenturen, die ohne unser Wissen und nicht in unserem Auftrag der Industrie solche Angebote machen.

Konkret sei ein Experten-Talk mit Moderation offeriert worden, der über den Tag verteilt an prominenten Sendeplätzen, zum Beispiel nach dem "n-tv-Wetter" stattfinden könne. Die Agentur soll dem Pharmakonzern erklärt haben, die Themen würden durch fundierte journalistische Reportagen transportiert und mit Expertenaussagen gestützt. Vorteil für die Arzneimittelhersteller wäre, dass die Zuschauer neue Informationen und Impulse bekämen, "um bisherige Verfahrensweisen und Einstellungen neu zu überdenken".

"Sendefenster"

Der "Spiegel" berichtete weiter, ihm lägen Dokumente vor, aus denen hervorgehe, dass die Produktions- und Ausstrahlungskosten je nach "Sendefenster" zwischen 245 und 700 Euro pro Minute betrügen. "Auf Anfrage komme ich sehr leicht an solche Angebote", sagte ein Manager des betroffenen Pharmakonzerns dem Blatt. Es sei kein Problem, sie auch zu nutzen. Dies bestreitet n-tv laut "Spiegel".

Das Blatt berichtete weiter, auch das ZDF mache "Geschäfte in der Grauzone". So habe das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium für die Platzierung von Pfälzer Wein in der ZDF-Sendung "Sabine!" 120.000 Euro Steuergelder verwendet. Die Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft habe in derselben Sendung für geschätzte 200.000 Euro eine Milchbar platziert, deren Produkte mindestens einmal pro Folge redaktionell in die Handlung eingebunden werden sollten. Außerdem habe die Deutsche Post den Briefclub "Letternet" bewerben können.

""Entgegen den Regelungen"

Die Produktionsgesellschaft Bavaria Film GmbH hatte eingeräumt, dass es in den vergangenen Jahren in der Serie "Marienhof" "product placement" in beschränktem Umfang gegeben habe - "entgegen den Regelungen des jeweiligen Produktionsvertrags". Die ARD hat wegen dieses Verstoßes eine Sonderprüfung durch eine externe, unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeleitet und die Interne Revision des SWR eingeschaltet.

Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Hermann Winkler (CDU), appellierte Winkler an die ARD, die geplante Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Verfahren zur Festsetzung der Rundfunkgebühren zurückzuziehen. "Wer das Vertrauen jetzt enttäuscht, sollte die Bürger nicht noch durch eine solche Beschwerde belasten", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Wegen der Schleichwerbung müsse über weitere Kontrollmöglichkeiten nachgedacht werden, meinte Winkler. Auch die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sender hätten eine Mitverantwortung.

Untersuchung

WDR-Intendant und Bavaria-Aufsichtsrat Fritz Pleitgen kündigte im "Focus"-Interview eine weit reichende Untersuchung des Falls "Marienhof" an. "Da wird nichts in Watte gepackt", sagte er. Die ARD sei hier zum Opfer geworden. Es werde Konsequenzen geben, sobald der Bericht der Wirtschaftsprüfer in etwa einem Monat vorliege. (APA/AP/dpa)

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