Doris Gusenbauer - Die Frau, die die grüne Wende geschafft hat

14. März 2007, 09:43
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"Gras"-Frontfrau drehte die Boku von Schwarz auf Grün

Müsste man Doris Gusenbauer einen typischen Satz zuordnen, dann wäre es: "Nein, bin ich nicht." Nämlich verwandt mit dem namensgleichen SP-Chef. Auf der Homepage der 24-jährigen Spitzenkandidatin der Grünen und alternativen StudentInnen (Gras) für die ÖH-Wahl 2005 steht ganz oben: "Ich bin NICHT mit Alfred verwandt. Aber nach der tausendsten Anfrage gehe ich damit locker um."

Locker hat sie auch die Boku und deren Direktmandat für die ÖH-Bundesvertretung erobert. Denn die junge Mühlviertlerin aus Mitterkirchen im Machland hat an der zuletzt schwarz regierten Universität für Bodenkultur die grüne Wende geschafft. Im symbolträchtigen Direktduell mit der Spitzenkandidatin der VP-nahen AktionsGemeinschaft siegte die Doppelstudentin (Lebensmittel- und Biotechnologie sowie Lehramt für Chemie und Englisch).

Bei der Gras-Liste landete die quirlige Oberösterreicherin, die einen gewissen Hang zur Unordentlichkeit freimütig eingesteht, "eigentlich durch Zufall" nach der ÖH-Wahl vor zwei Jahren. Bis dahin war die Absolventin eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums zwar politisch interessiert und durch "aufgeschlossene, politisch-kritische Eltern" sozialisiert, aber nicht selbst aktiv. Mittlerweile gibt es ein Gusenbauer-Doppel bei Gras, denn Doris' jüngere Schwester Vera, mit der sie in einer Vierer-WG wohnt, ist auch Grünen-Aktivistin.

Doris, die grüne Herrin über die Stimmenmehrheit an den österreichischen Unis, wurde nicht zuletzt durch einen USA-Aufenthalt während der Gymnasialzeit politisch sensibilisiert. In Oregon, bei der erzkonservativen Familie eines U-Boot-Kommandanten der Navy "sehr herzlich aufgenommen", besuchte sie ein Jahr lang eine Highschool. Was hat sie mitgenommen? "Positive Erfahrungen und das Bild einer doppelmoralischen, sehr konservativen Gesellschaft." Vor allem Geduld und Toleranz hat die "ein bisschen ungeduldige, interessierte, kritikfähige, offene und feministisch engagierte" Jungpolitikerin dort gelernt.

Fürs Erste reicht ihr die kleine Spielwiese der ÖH-Politik: "Es ist nicht mein oberstes Ziel, Politikerin zu werden. Wichtiger ist mir irgendwann ein Job, der gesellschaftspolitisch relevant ist." Ob dafür das stark pharmaorientierte Studium und "meine ideologische Ausrichtung vereinbar sind, weiß ich noch nicht", sagt Gusenbauer, die die Gras-Fraktion als "sehr kritische Stimme" in der ÖH fortführen will und gegen Zugangsbeschränkungen an den Unis ist.

In der Freizeit spielt der sportliche Single Volleyball, fährt Rad und läuft. Aktueller Lesestoff ist Thomas Bernhards "Im Keller". Die wirklich "große Leidenschaft" der Frau mit der Lieblingsfarbe Grellgrün sind aber Reisen. Nach Peru will sie unbedingt, wegen der Inka-Kultur. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.6.2005)

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