"Der Euro ist für die Ewigkeit"

Redaktion, 13. Juni 2005 11:32

Ein italienischer Minister will die Lira wieder einführen, Jörg Haider hält Adäquates auch in Österreich für überlegenswert. OeNB-Chef Liebscher nennt das "absurd"

Wien/Brüssel/Rom – "Der Euro ist für die Ewigkeit." Diesen Satz prägte Amelia Torres, Sprecherin von Währungskommissar Joaquin Almunia, am Freitag in Brüssel. "Davon bin ich bisher auch immer ausgegangen", sagt Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, zum STANDARD, denn der Euro sei "eine Erfolgsgeschichte".

Offenbar ist das in Europa nicht mehr common sense. Denn der italienische Sozialminister Roberto Maroni schlägt in einem Gespräch mit der Zeitung La Repubblica vor, zeitweilig wieder die Lira einzuführen – als Zweitwährung. Die Italiener sollten darüber abstimmen.

Haider: "Vorschlag genau anschauen"

Auch in Österreich findet sich ein Politiker, der dies für zumindest überlegenswert hält: BZÖ- und Ex-FP-Chef Jörg Haider. Er sagt auf Anfrage: "Diesen Vorschlag sollte man sich genau anschauen. Auch wir haben seinerzeit ein Volksbegehren für den Erhalt des Schillings gemacht. Wie wir heute alle wissen, ist der Euro tatsächlich zum Teuro geworden."

Alina Lengauer, Europarechtsprofessorin am Wiener Juridicum, sagt: "Es ist nicht möglich, dass Italien unilateral aus den Maastrichter Verträgen aussteigt. Diese sind eine Novellierung der EG-Verträge." Sie sieht als Hintergrund des italienischen Vorstoßes, dass sich Premier Silvio Berlusconi offenbar wünsche, eine Sonderklausel in den Stabilitätspakt hineinzubekommen, damit sein überbordendes Defizit akzeptiert wird. Über eine Diskussion über die Währungsunion könnte dies indirekt bewerkstelligt werden, so das mögliche Kalkül der Italiener. Denn der Risikoaufschlag (Spread) für italienische Anleihen im Vergleich etwa zu deutschen ist hoch wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Paul de Grauwe, Währungsexperte an der belgischen Universität Leuven, sagt in einem Interview, die hohe Inflation in Italien mache italienische Produkte weniger wettbewerbsfähig. Es sei verlockend, dies mit dem Wechselkursinstrument zu beheben (so wie Mitte der 90er-Jahre).

Für exportierende Unternehmen stört das Fallen des Euro im Zuge der aktuellen Diskussionen gar nicht, denn das Szenario von 1,40 Dollar für den Euro dürfte nicht mehr aktuell sein. Binnen einer Woche fiel der Kurs von 1,26 Dollar auf unter 1,22 nach dem "Nee" der Holländer.

Liebscher: "Die Vorteile überwiegen"

Klaus Liebscher nennt als einzigen Nachteil der Euro-Einführung, dass stabilitätsorientierte Länder wie Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande den Vorteil niedrigerer Zinsen im Vergleich zu südeuropäischen Staaten aufgeben mussten. Aber: "Die Vorteile überwiegen: Wegfall der Wechselkursrisken, Ankurbelung der Exporte, Preistransparenz, eine niedrige Inflationsrate – und nicht zuletzt die Annehmlichkeit für Touristen, kein Geld mehr wechseln zu müssen."

Was populistische Politiker nach den Referenden fordern, ist übrigens im Waldviertel bereits Realität – als Marketinggag. Die Währung "Waldviertler" wurde nicht am 1. Mai erstmals ausgegeben (mit Euro-Deckung in der örtlichen Raika in Schrems), innerhalb einer Woche sei "Freigeld" in private Geldbörsen gewandert. Der örtliche Handel gibt Rabatte, wenn man mit dem "Waldviertler" bezahlt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.6.2005)

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patriotenlebenlänger
06.06.2005 08:38
...der euro für die ewigkeit...HAHAHAHA!!!

...ja natürlich, genauso wie alle großreiche der geschichte wird auch natürlich unsere "geliebte" EU, von der wir ja alle soooooooo profitieren, für die ewigkeit sein!!! ...*lol*

zum glück ist sie bereits jetzt zum scheitern verurteilt...

tureko
06.06.2005 15:16
Die EU geht unter...

Sowas hört man seit 1952 bzw 1957 (halt zuerst mit der EWG).

Passiert ist noch nix.

Naja, ich kann warten. Die Europhoben nicht...

Eustreptospondylus
04.06.2005 22:34
Wozu der Stress?

Am Ende des Tages werden 3 Leitwährungen übrigbleiben: USD in den NAFTA Staaten, YEN in Asien und EUR im Rest der Welt!
Und vielleicht noch SFr für ein paar Drogenbarone....

Da können sich diverse Provinzpolitiker noch so aufspielen!

justme1
04.06.2005 19:13
find ich interessant

dass diese diskussion um die wiedereinführung der alten währung justament nach dem non/ne zur verfassung der eu ins spiel kommt (beziehungsweise in die medien).

ps: in österreich hätts wohl auch "naaaaa" ghaßen, wenn der wolfi uns lassen hätt.

Poldi Fesch
04.06.2005 20:08
Scheindiskussion

das iat ja ueberhaupt nicht durchfuehrbar und fuer Italien schon gar nicht. Wer glaubst taet seine euro rueckwechseln ?

Stephan Fadinger
04.06.2005 20:43
bitte wieso ist das nicht durchführbar?

was spricht dagegen ab 1.1. des nächsten Monats oder Qartals oder Jahres eine neue Währung einzuführen?

erklären sie mir das bitte

tureko
06.06.2005 15:18

Machen Sie nur, die interne Verrechnungswährung der Wirthschaft bleibt EUR. Oder was glauben Sie, was ALLE Industrieunternehmen in den europäischen Nichteuroländern (mit Ausnahme des wirtschaftlich sehr starken UK) in ihren Büchern und Verträgen drinnen stehen haben? Forint und Franken? Krone und Sloty? Aber wirklich nicht.

Poldi Fesch
04.06.2005 22:56
das keiner mitspielt

angenommen am 01/01/06 kommt die Lira zurueck ueberweise ich mein Geld per 31/12/05 von meinem it. kto auf meiner Wiener.Blockieren koennens das nicht, da eine Grundfreiheit. Das gl. spielen wir mit dem geh. meiner Frau und das taten alle tun, die die Moeglichkeiten haben.Die Lira im freien Fall.

Pi der Grieche
04.06.2005 22:54
Um eine neue Währung allein geht es nicht

es geht um eine Parallelwährung. Sollen sie halt wieder Palmersmünzen einführen, wenns ihnen Spaß macht. Ansonsten haben sie Recht, Herr Fadinger,
Da Geld ohnehin nur als Symbol für Besitz gilt, ist es egal wie das Symbol ausschaut oder heißt oder wie auch immer.

steirerbua
04.06.2005 14:01
Auch der -T€uro- wird nicht für die Ewigkeit

sein.
Aber es war ein Riesengeschäft für die Wirtschaft auf Kosten der Bevölkerung.

M. Strob
04.06.2005 18:36

...ich seh´s anders: u.a. die wirtschaft hat aus dem euro einen teuro gemacht, und bezahlt nun einen vernichtenden preis dafür (1/4 des handelsgeschäfts rennt nur mehr über aktionen, ausbleibende gäste i. d. gastronomie usw.)

orpheo di salina
04.06.2005 13:16
völliger nonsens...

es mögen sich manche noch nicht an den euro gewöhnt haben - das stellt sich ein; produkte sind tw. teurer geworden - werden aber nicht wieder billiger, wenn man wieder in LIT/ÖS zahlen kann; nicht außer acht zulassen ist, dass der euro ein symbol ist - ein symbol für die zusammengehörigkeit europas; ich selbst konnte nie viel mit patriotismus anfangen (die meisten sowieso nur im winter - der schirennen wegen), dennoch fühle ich mich als europäer; das konzept steht zwar noch irgendwie auf wackligen beinen, aber "rome wasn't built in a day" - ich bin sehr zuversichtlich und setze große hoffnung in die europäische gemeinschaft, an deren fundament leider viele rütteln und versuchen es zu untergraben...
mfg

jesse jönson
04.06.2005 15:27
ebenfalls nonsens

"...ich selbst konnte nie viel mit patriotismus anfangen - dennoch fühle ich mich als europäer ..." sehr intelligent

orpheo di salina
04.06.2005 18:14

konnte/kann mit patriotismus in bezug auf österreich nicht viel anfangen...habe vermutet, dass das klar ist...

Hannes 714
04.06.2005 12:05
Euro für die Ewigkeit?

Die Währungen Österreichs halten max. 50 Jahre. zB Kronen, Schilling, Reichsmark, Alpendollar, Schilling, Euro. Wahrscheinlich bald wieder Schilling...

da seppele
04.06.2005 17:21
wahrscheinlich bald wieder schilling...

warum? wollen sie nach kenia auswandern? gut. dann können sie denen dort mit ihren binsenweisheiten auf die nerven gehen

yoghurtinator
 
04.06.2005 13:58
Richtig

Aber die Mächtigen denken stets, ihre Veränderungen seien für die Ewigkeit - oder hielten zumindest 1000 Jahre ;-)

Helmut Huber
 
04.06.2005 14:19
Nun, das britische Pfund

gibts seit runden 1.000 Jahren, und den US Dollar auch schon seit 230.

"Ewigkeit" mag ein wenig maulvoll sein, aber zu sagen, es wäre dies eine Sache für eine lange, in Jahrhunderten zu messenden, Zukunft, ist richtig.

jalyrie
04.06.2005 11:22
Achtung!

Wenn wir uns nicht alle zu einem vereinten Europa bekennen, werden uns USA, China, Russland und was die Zukunft noch so bringen wird, gehörig auf den Deckel .....!!!!!

wg16016
04.06.2005 12:55
da bin ich voll dahinter!!!

die alte welt muss zusammenhalten. vielleicht werden wir es eines tages schaffen, die kluft zw. ost und west auch in unseren köpfen zu überwinden.
Ich glaube an das Friedensprojekt Europa! Die Menschen müssen einfach mehr nachdenken.

Mustafa Soleman
04.06.2005 14:13

Friedensprojekt Europa? Mit Aufrüstungspflicht, Rüstungsagentur ausserhalb der Gewaltenteilung und Battle Groups, die in der ganzen Welt um Rohstoffe und Märkte kämpfen sollen?

Rudolf Pollhammer
 
04.06.2005 19:51

In Mazedonien wurde vor wenigen Jahren ein drohender Bürgerkrieg zwischen Mazedoniern und Albanern durch ein beherztes und schnelles militärisches Eingreifen der EU verhindert.

Was finden sie so schlecht dran, Tausenden Menschen das Leben zu retten? Ich finde, so was passiert(e) leider viel zu selten (vgl Balkankriege).

Johannes Herbst
04.06.2005 17:05

Jawohl Friedensprojekt!! Seit der Gründung der EU (bzw. EG und Vorläuferorganistationen) gab es auf deren Gebiet keinen Krieg mehr in Europa! Krieg kann man nur verhindern, indem man sich zusammensetzt und zu einem gemeinsamen Nenner kommt (wo jeder zurückstecken muss).

Bez. Aufrüstungspflicht: Du kannst dich bei den Verfassungsgegnern danken, dass in Zukunft der EU-Rat (sprich unsere Regierungschefs und Minister!) weiterhin im geheimen Rüstungsprojekte (und anderes) vorantreiben können und diese nicht der Kontrolle der Öffentlichkeit und des EU-Parlamentes unterliegen.

Kiki Einhorn
04.06.2005 13:24
die Kluft im Kopf?

und das Brettl davor?

. spectator
04.06.2005 12:38

Das Übliche in Europa: Unschuldige werden für die Sünden anderer geschlagen.
D.h., das böse Europa ist schuld für die Fehler, die tatsächlich in Italien begangen wurden. Denn viele Unternehmer waren so dämlich, den Euro statt 1EUR=2000ITL mit 1EUR=1000ITL umzurechnen. Jetzt haben viele ärmere Familien in dem Land wirklich ein Problem bekommen, das ist aber hausgemacht!! Aber es ist wie immer viel leichter, den Sündenbock EU zu strapazieren und den eigenen Mist dort abzuladen.
So wird durch Blödheit eine wunderbare Idee Stück für Stück zerstört.

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