Symphonische Leidensgeschichte

8. Juni 2007, 15:46
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Alexander Lokshins Werke bei der styriarte

Dmitri Schostakowitsch nannte ihn ein Genie. Und wer über seine Werke schwärmt - Alexander Lokshin schrieb elf Symphonien -, der schwärmt vom Geheimnisvollen dieser Musik, von Präzision wie Kürze und einer musikalischen Form, die jedem Schematismus zuwiderlaufe.

Lokshin selbst meinte: "Als Student am Konservatorium betete ich Skrjabin, Debussy, Oscar Wilde und viele andere an. Später war ich stark von Schubert, Brahms, Berg und Mahler beeinflusst." Bekannt ist Lokshin allerdings längst noch nicht. Im sibirischen Biysk 1920 geboren, kam er mehrfach unter die Räder der Politik und blieb vergessen.

Am Anfang der traurigen Geschichte steht ein "Skandal": Lokshin schrieb drei Sätze für Sopran und Orchester über Gedichte aus Baudelaires "Les fleurs du mal". Im Vorkriegs-Sowjetstaat des Jahres 1941 nicht gern gesehen. Lokshins Werk wurde verboten, die Zulassung zum Examen am Konservatorium wurde ihm verwährt, und er musste zurück nach Sibirien. Später kam er wieder nach Moskau, legte sein Examen ab und wurde selbst Lehrer am Konservatorium, wo er bis 1948 unterrichtete. Abermals folgt jedoch eine Suspendierung. Er musste wieder zurück nach Sibirien.

Wiewohl die Tauwetter-Periode unter Chruschtschow auch für ihn bessere Bedingungen schuf, blieb seine Stellung im Komponistenverband umstritten. Als frei schaffender Komponist lebte er vor allem von Filmmusik und den daraus fabrizierten Orchestersuiten.

Die styriarte versucht, wie im Vorjahr, auch heuer wieder das Werk des russischen Komponisten ins Bewusstsein zu rücken. Man hört "Les fleurs du mal", mit dem die ganze Leidensgeschichte einst begann. (toš/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 6. 2005)

12. Juli, List-Halle, 20.00
  • In Graz kann man das Werk von Alexander Lokshin kennen lernen - einem der vergessenen Meister der russischen Symphonik.
    foto: styriarte

    In Graz kann man das Werk von Alexander Lokshin kennen lernen - einem der vergessenen Meister der russischen Symphonik.

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