Junikolumne

3. Juli 2005, 23:54
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Der Juni könnte durchaus als ein Fall für die Dialektik gesehen werden

Salopp betrachtet - und demnach streng wissenschaftliche Kriterien ignorierend - erweist sich der Juni durchaus als ein Fall für die Dialektik. Paart sich doch der Tatbestand des Sommerbeginns (am 21.) mit dem Faktum, dass der Juni (lat. mensis Iunius), im altrömischen Kalender der Göttin Juno geweiht, nach Cäsars Kalenderreform (46 v.u.Z.) den sechsten Monat des Jahres kennzeichnet.

Hier treffen also zwei Wahrheiten aufeinander, die je nach Betrachtung mit positiven oder negativen Aspekten gespeist werden. Die Vor- und Nachteile also, in sich selbst ein untrennbares Paar, wie Tag und Nacht, Himmel und Erde, Sommer und Winter, Hitze und Kälte, ... Frau und Mann?... Wenn der Anfang des Sommers für viele, aber eben nicht alle, positiv besetzt ist, kann die Realität des sechsten Monats, dass also das halbe Jahr bereits wieder verstrichen ist, unterschiedliche Gefühle auslösen. Nämlich für viele das Bedauern, erneut um ein halbes Jahr gealtert und dem unausweichlichen Tod ein Stück näher gerückt zu sein. Dieser Aspekt kommt dann wiederum den Lebensüberdrüssigen zugute.

Warum aber muss etwas Positives auch immer negativ sein? Immer diese Paar-igkeiten und Pol-igkeiten, die sich erfahrungsgemäß weniger oft symbiotisch zueinander verhalten, sondern in der Mehrzahl ihrer auftretenden Fälle einander abstoßend. Andererseits und positiv (!) betrachtet, erfolgt auf jede Abstoßung auch wieder eine Anziehung, zumindest naturgesetzlich beobachtet. Aber verdammt, wer hat das eigentlich erfunden? Ich weiß schon, wir könnten die antiken PhilosophInnen zu Rate ziehen. Ob wir damit in der Erörterung dieses Problems weiterkommen, ist allerdings fraglich. Die letzte Antwort bleibt immer aus. Und wahrscheinlich ist sogar das positiv.

Ich bleibe also wohlwollend und denke an die Wärme, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Oktober anhalten könnte. Und wenn der Juni zwischenzeitlich herbstliche Anwandlungen zeigen sollte, tröste ich mich eben dialektisch mit der alten Bauernregel "Juniregen bringt reichen Segen", meint Ihre dabu.

Eine Monatskolumne
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