Frauenrechte in die irakische Verfassung

31. Mai 2005, 20:59
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Manal Omar, Irak-Direktorin von "Women for Women International", hält den Verfassungsrahmen dabei für nebensächlich

Wien - Die Irak-Direktorin von "Women for Women International", Manal Omar, warnt davor, die Verankerung von Frauenrechten in der irakischen Verfassung, über die die Bevölkerung im Oktober abstimmen wird, zu verabsäumen. "Mir ist es egal, ob die vorgeschlagene Verfassung einen säkularen oder Scharia-Rahmen hat. Wichtig ist, dass Frauenrechte darin verankert sind", erklärte Omar am Dienstag auf einer von "Frauen-ohne-Grenzen" veranstalteten Pressekonferenz in Wien. 2003 hätten die irakischen Frauen die Hoffnung gehabt, ihre Rechte durchzusetzen. Angesichts der Zunahme der Gewalt 2004 und 2005 würde sich diese Chance wieder verringern.

Berufliche Ausbildung

"Women for Women International" bilde seit 2003 jährlich rund 1.000 Frauen aus den benachteiligsten Schichten beruflich aus, erklärte Omar die Tätigkeit der Organisation im Irak. Die Erfolge bei der Ausbildung als Tischlerinnen seien überwältigend gewesen. Nach der beruflichen Ausbildung, die den Frauen eine wirtschaftliche Basis bieten, würden sie auch motiviert, als aktive Bürgerinnen tätig zu werden. So hätten Frauen von "Women for Women" bei den Parlamentswahlen im Jänner als Beobachterinnen gewirkt.

Würde durch Wählen

Sie selbst sei zunächst dem Durchführen der Parlamentswahlen zu einem frühen Zeitpunkt wie Jänner 2005 skeptisch gegenüber gestanden, erklärte Omar. Ihre irakischen Mitarbeiterinnen allerdings seien zuversichtlich gewesen, dass die Irakis wählen würden. "Und sie sollten Recht behalten." Der Urnengang habe den Irakerinnen Würde verliehen und die Gelegenheit gegeben, als Frauen am Wahlprozess teilzunehmen.

Im Irak fänden täglich Entführungen statt, wobei insbesondere die Intellektuellen wie ÄrztInnen, Uni-ProfessorInnen aber auch Frauenaktivistinnen deren Opfer seien, sagte Omar. AusländerInnen ratet Omar dringend von einem Aufenthalt im Irak ab. Sie selbst arbeitete mittlerweile von Jordanien aus, und wenn sie in den Irak fahre, dann nur für vier bis fünf Tage. Bei dieser Gelegenheit schlafe sie nie zwei Mal hintereinander am selben Ort, schminke ihre helle Haut dunkler, rede nie mehr als fünf Minuten, da man sie wegen ihres Akzentes als Ausländerin erkennen könnte. Im Irak seien schon viele humanitäre HelferInnen umgebracht worden. Trotz der Entführungen würden die IrakerInnen versuchen, weiterzuleben und sich nicht einschüchtern zu lassen. So schickten sie ihre Kinder weiterhin in die Schule, gingen weiterhin ihrer Arbeit nach.

Aufbau der Infrastruktur

Das größte Anliegen der irakischen Frauen sei die Schaffung von Sicherheit, Jobgelegenheiten sowie der Aufbau der Infrastruktur. Dies sei das Ergebnis einer Umfrage, die Women for Women International 2004 unter 1.000 Frauen in Bagdad, Mossul und Basra durchgeführt habe, sagte Omar. Die Sicherheitslage habe sich in den Augen dieser Frauen seit 2003 verschlechtert bzw. habe stagniert. Dennoch zeigten sich über 90 Prozent der Frauen hoffnungsvoll. Unter Saddam Hussein hätten sie keine Hoffnung einer Veränderung gehabt, heute würde sie jedoch hoffen, dass diese anarchische Situation nicht anhalten könne, erklärte die Frauenaktivistin.

Die NGO Women for Women International mit Sitz in Washington DC wurde 1993 mit dem Ziel gegründet, Frauen bei der Überwindung der Schrecken von Bürgerkriegen und Kriegen zu helfen. Die Organisation hat bereits über 33.000 Frauen in Ländern wie Bosnien, Ruanda, Kosovo, Nigeria, Pakistan, Afghanistan und Kongo unterstützt. (APA)

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