Mit hoher Kunst ins Rampenlicht

2. Dezember 2005, 15:10
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Oberösterreichische Sonderschüler landen mit ihrem Kunstprojekt "Nicht ins Dunkel" am Junior-Stockerl

Wien/Langenstein - "Am Liebsten haben wir die Bilder am Computer verändert", sind sich Christopher (12), Manuel (10), Janina (8) und Florian (10) einig. Gemeinsam mit ihren drei Kollegen Dominic (7), Mario (11) und Florian (8) stehen sie dem STANDARD aufgeregt Rede und Antwort. "Es war ein sehr klarer und eindrucksvoller Sieg", freut sich Cyberschool-Organisatorin Irina Slosar über das Projekt Nicht ins Dunkel, mit dem sich die Schüler der Allgemeinen Sonderschule Langen in Oberösterreich auf den ersten Platz der sechs bis zehnjährigen Juniors katapultierten.

Nach der Preisverleihung ist die Freude am größten. "Wir sind eine multimediale Klasse", erzählt der Betreuungslehrer Karl Leopoldseder, "jedes Kind hat einen Computer und Internetzugang." Nicht nur in den klassischen Fächern wie Informatik wird eifrig am PC gelernt - auch im Zeichenunterricht werden die Neuen Medien eingesetzt. "Wir haben über Künstler gesprochen und dann begonnen, Bilder zu verändern," beschreibt Florian den Anfang des Projekts. Dabei hat er seinen Favoriten klar erkannt: "Michelangelo gefällt mir gut", erzählt er nach der Preisverleihung. Besonders das Werk "Die Erschaffung Adams" hat bei Florian Eindruck hinterlassen. "Ich finde Skizzen und Bleistiftzeichnungen toll".

Selbstbestimmter Sieg

Der Projekttitel "Nicht ins Dunkel" steht für den Aufruf, Kinder mit Handicap nicht in den Hintergrund zu drängen. Die Projekthomepage soll daher auch weiter als Diskussionsplattform zur Verfügung stehen. "Auch heute heißt behindert werden oft am Rand und damit im Dunkeln zu stehen", beschreiben die jungen Talente die Idee hinter ihrem Sigerprojekt.

"Wir wollen selbstbestimmt leben - auch im Internet - um nicht behindert zu sein." Gerade wegen dieser Randposition seiner Schützlinge freut sich Leopoldseder über deren fulminanten Erfolg bei Cyberschool: "Als Sonderschule ist es schwer, bei so einem Wettbewerb mitzumachen". Dass ihr Projekt so gut ankommen werde, habe er nicht erwartet. Die Werke der bekannten Künstler, angefangen bei Michelangelo über Da Vinci bis hin zu Dalì, wurden genau analysiert, gegenübergestellt und schließlich von den Kindern verändert. Eine Musik untermalt die farbenfrohen Stimmungsbilder, der Benützer kann die Werke nach uns nach abstrahieren.

"Es kam immer wieder etwas Neues dabei heraus", berichtet der Lehrer. "Was uns gefallen hat, haben wir abgespeichert". Mit rund 30 verschiedenen Unterprogrammen wurden Farbänderungen, Reliefs und Rotationen erstellt. Die Entwicklungsphase gestaltete sich großartig. "Wir haben sehr viel und experimentiert und ich möchte ihnen dabei völligen Freiraum lassen". Leopoldseder schätzt das Projekt als gute Möglichkeit ein, mit schwierigen Themen spielerisch umzugehen - das Internet sei dafür ideal.

Obwohl Janina die Arbeit am Computer sehr viel Spaß gemacht hat, malt sie immer noch lieber mit Wasserfarben: "Das gefällt mir, weil sie glänzen so schön, wenn sie nass sind." (DER STANDARD-Printausgabe, 31.5.2005)

  • Euphorie und Siegerstimmung im Innenhof der TU Wien: Die jüngsten Cyberschool-Gewinner der Allgemeinen Sonderschule Langen feiern ihren überraschenden Erfolg. Künstler wie Dalí und Michelangelo verhalfen ihnen zum Sieg; ihre Werke wurden modifiziert.
    foto: standard/fischer

    Euphorie und Siegerstimmung im Innenhof der TU Wien: Die jüngsten Cyberschool-Gewinner der Allgemeinen Sonderschule Langen feiern ihren überraschenden Erfolg. Künstler wie Dalí und Michelangelo verhalfen ihnen zum Sieg; ihre Werke wurden modifiziert.

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