"Alle Projekte sind ein Wahnsinn"

2. Dezember 2005, 15:10
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Unter den Augen der Fachjury entpuppten sich die Cyberschool-Finalisten als wahre Meister ihrer Sparte. Die 173 Projekte von 945 Teilnehmern brachen alle Rekorde

Wien - Sesselknarren, rasche Schritte, lautes Gemurmel, nervöse Blicke: die Technische Universität strahlte Hektik aus, denn der Andrang zum Cyberschool-Bundesfinale am 24. Mai war enorm. Zahlreiche junge Internetfreaks hetzten durch die sonst von Studenten belebten Gänge und rüsteten sich für ihren alles entscheidenden Auftritt.

Um Punkt neun Uhr war es dann soweit: Die ersten der 19 angereisten Projektteams aus vier Landesausscheidungen warfen ihre Arbeiten auf die Leinwand und standen dabei einer kritischen Fachjury aus den Bereichen Medien, Bildung und Technik gegenüber. Neben Gabriele Singer von der Austria Presse Agentur (APA), Harald Mairböck von der Telekom Austria, Christoph Weiss von FM4, Christian Dorninger vom Bildungs- und Christoph Raber vom Wirtschaftsministerium beobachtete auch Stephan Probst von Microsoft die lebendigen Auftritte.

"Es ist wichtig zu sehen, wie sich die kommende Generation mit Multimedia auseinander setzt", zeigt sich Singer beeindruckt. Besonders das "hohe Engagement" der Teilnehmer sei überzeugend, wie auch das"sehr hohe technische Niveau der Projekte". "Hier werden Seiten des Projekts beleuchtet, die man selbst von seinem beschränkten Blickwinkel her nicht erkennt", lobt Andreas Kucher (19) die Kritik der Jury. Mit zwei Schulkollegen schaffte es der Klagenfurter HTL-Maturant der Mössingerstraße sein Projekt "Neurotrol" - ein mit Gedanken gesteuerter Computer - auf einen der zwei vierten Plätze der Kategorie Technics zu katapultieren.

Wertvoller Sieg

"Alle diese Projekte sind ein absoluter Wahnsinn und kaum miteinander vergleichbar", begeisterte sich Karl Piaty, Lehrer der BHAK Steyr mit langjähriger Cyberschool-Erfahrung, spontan vor dem Publikum. "Ich möchte nicht in der Haut eines Jurymitglieds stecken." Denn nicht nur die Originalität und das technische Know-How erschwerte die Entscheidung - die Gewinner kämpften um Geld- und Sachpreise in der Höhe von 15.000 €. Darunter waren Software-Pakete von Microsoft, Musikdownloads von der Telekom Austria über das Aon-Portal, kostenlose SMS-Pakete von sms.at, aber auch Interrailtickets der ÖBB, Cyberschool-T-Shirts sowie STANDARD-Abonnements.

Auch damit sollte die Motivation der Gewinner gefördert werden. "Ich hoffe, ihr werdet auf den Geschmack kommen eure Kreativität auch außerhalb der Schule zu nutzen", appellierte Jury-Mitglied Raber an die Teilnehmer. Mit großen Worten lobte er den dritten Platz der Kategorie Classics, Andreas Grill (18) des BRG Landeck.

Trotz seiner Zweiplatzierung in der Landesausscheidung durfte Grill am Finale teilnehmen - seine "tadellos programmierte" Schulhomepage wird bereits hoch frequentiert. Doch nicht nur selbstloses Interesse an dem Engagement der Jugendlichen bewegt die Sponsoren, die Projekte zu unterstützen. "Wir haben auch Interesse daran Praktika zu vergeben", betont Katharina Gürtler von der ÖBB. Durch die Schüler könnten neue Ideen generiert sowie interessante Nachwuchskräfte entdeckt werden. Etwas, das auch Informatiklehrer Armin Mauracher der HTL Anichstraße in Innsbruck besonders hervorhebt: "Für unsere Leute stellt das die Eintrittskarte in das Berufsleben dar."

Das von ihm betreute Projekt "Verkehrsberuhigung an Kreuzungen mittels künstlicher Intelligenz" - das Bronze in der Kategorie Technics errang - schlug Wellen. Denn es hätten sich bereits interessierte Firmen gemeldet, was besonderes "in Zeiten wie diesen erfreulich ist". Motiviert und voller Ehrgeiz gehen seine Schüler nun aus dem Rennen, denn, wie David Heis (19) betont: "Das Projekt wäre ja auch zum Beispiel ein super Thema für eine Dissertation." (Louise Beltzung/Isabella Hager-DER STANDARD-Printausgabe, 31.5.2005)

  • Furioses Finish beim Bundefinale: Schüler Know-How überwältigt Jury und über 300 Gäste
    karikatur: kilian k.

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