Gute alte zuverlässige "Ariane"

30. Mai 2005, 21:49
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Seit einem Vierteljahrhundert bringen die Raketen Satelliten ins Weltall - ihre Zukunft könnte noch einmal so lange dauern

Bremen - In der bemannten Raumfahrt haben sich die Europäer bisher kaum Sporen verdient. Bei den Transportern hingegen mischen sie ganz vorne mit. Inzwischen in fünfter Generation, bringen Ariane-Raketen seit 25 Jahren Satelliten ins Weltall. Und ihre Zukunft dürfte noch einmal so lang sein, glaubt der Hauptverantwortliche Josef Kind, Präsident der Bremer EADS Space Transportation: "Ich sehe die Ariane 5 noch die nächsten 20 bis 30 Jahre fliegen."

Es begann mit einer Weihnachtsrakete

Zu Weihnachten 1979 startete die erste Ariane-Rakete. Die eigentliche Erfolgsgeschichte aber begann mit einem der Nachfolgemodelle. 116 Mal hoben Raketen des Typs Ariane 4 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Doch für moderne, große Satelliten war selbst eine Kapazität von 4,9 Tonnen zu begrenzt. Ende der 80er Jahre war es der Ehrgeiz der Europäer, eine Rakete zu bauen, die selbst einen Raumtransporter vergleichbar dem US-amerikanischen Space Shuttle ins All befördern könnte.

Es dauerte allerdings bis 2003, als endlich die erste Version der Ariane 5 startete, die immerhin schon sechs Tonnen in die geostationäre Umlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe transportieren kann. Am 14. Februar 2005 stieg die erste für eine Nutzlast von zehn Tonnen ausgelegte Ariane-5-Variante in den Weltraum auf.

Debakel als "Generalprobe"

Die Verantwortlichen hatten den Start mit einem gewissen Bangen verfolgt. Eigentlich hätte die neueste Version schon rund zwei Jahre früher ihren Jungfernflug absolvieren sollen. Doch der in der offiziellen Zählung als "Flug 157" firmierende Start endete in einem spektakulären Fehlschlag: Wegen eines Fehlers im Zentraltriebwerk musste die Rakete samt Fracht nach drei Minuten gesprengt werden.

Als der Start im Februar dieses Jahres dann glückte, war der Beifall groß. Die Zuschauer im Hauptquartier der Ariane-Produktion in Bremen wussten: Das neue Zugpferd der europäischen Raumfahrt arbeitet. Immerhin hatte das Projekt bis dahin 1,7 Milliarden Euro Entwicklungskosten verschlungen.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich die Ausgaben dennoch rechnen. Zwar hat Boeing mit der neuen Delta-Rakete einen ernst zu nehmenden Konkurrenten, doch wird es noch nicht kommerziell eingesetzt.

Noch größer rechnet sich nicht

Lange war im Gespräch gewesen, eine noch stärkere und teilweise wiederverwendbare Variante zu erzeugen. Doch das Projekt einer Ariane mit zwölf Tonnen Nutzlast sollte nach Ansicht von Kind zu den Akten gelegt werden. "Der Markt dafür ist nicht da", argumentiert der Chef von EADS Space Transportation. Inzwischen gehe der Trend zu kleineren, spezialisierten und daher weniger schweren Satelliten. Die Zehn-Tonnen-Version reiche aus.

Allein bis 2009 sollen davon 25 Exemplare hergestellt werden. So viel hat die Marketing- und Betreibergesellschaft Arianespace bereits im Mai vergangenen Jahres bestellt. Außerdem orderte sie fünf Raketen in der wiederverwendbaren Sechs-Tonnen-Ausführung. Diese Standard-Version der Ariane 5 soll künftig auch die im Auftrag der ESA entwickelten vollautomatischen Raumfähren ins All hieven.

Die Zukunft soll dem "ATV" gehören

Diese ATV ("Automatic Transfer Vehicles") abgekürzten Transporter sollen Material zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Eine große Chance für die Europäer, meint Kind. Wenn nämlich die USA nach 2010 ihre Space Shuttles in Pension schickten, könne man große Lasten nur noch mit diesen Fähren transportieren. Das erste ATV hat - anders als sein Name nahe legt - mit Science Fiction nichts mehr zu tun: Nach letzten Planungen wird "Jules Verne" Anfang 2006 starten.(APA/AP)

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    Der mit Hoffen und Bangen erwartete geglückte Start im Februar 2005

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    Die Ariane 5 ECA

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