... so wurde auch Österreich zur Raumfahrt-Nation

30. Mai 2005, 21:20
5 Postings

Bau eines Weltraumfensters für Spacelab 1983 - Beitritt zur ESA 1987

Wien - Mit dem Bau eines Weltraumfensters für das Raumlabor Spacelab im Jahr 1983 hat alles angefangen. 1987 erfolgte der offizielle Beitritt Österreichs zur zwölf Jahr zuvor gegründeten Europäischen Weltraumorganisation ESA. Heute sieht Klaus Pseiner, einer der Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und jahrelang Chef der Austrian Space Agency (ASA), die ESA-Mitgliedschaft als "unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Österreich ein stabiler und nachhaltiger Player im Bereich Weltraumtechnologie und -wissenschaft ist".

Vor dem ESA-Beitritt habe es zwar auch Weltraumforschung in Österreich gegeben, aber diese sei von Zufälligkeiten gekennzeichnet gewesen. "Es war nie genug Marktvolumen da, um einen Industriecluster aufzubauen", ergänzt Pseiners Kollegin an der FFG-Spitze, Henrietta Egerth. Dies sei erst möglich geworden, als Österreich als ESA-Mitglied bei allen Satelliten- und Launcher-Programmen mitmachen konnte. Heute bringen direkte Beschaffungen und Dienstleistungen in diesem Bereich der österreichischen Volkswirtschaft laut Pseiner rund 100 Mio. Euro.

Zahlen und Fakten

Das Gesamtbudget der ESA, die mittlerweile 1.900 Leute beschäftigt (darunter rund 30 aus Österreich), liegt heuer bei 2,977 Mrd. Euro. Rund 20 Prozent davon gehen in Pflichtprogramme, die von allen 16 Mitgliedstaaten getragen werden (Luxemburg soll heuer als 17. Mitglied aufgenommen werden). Die restlichen 80 Prozent gehen in die Wahlprogramme, die von den einzelnen Ländern optional gezeichnet werden können. Österreichs Beitrag beläuft sich heuer auf 30,05 Mio. Euro, davon gehen - nach einem BIP-Schlüssel - 13,7 Prozent in Pflicht- und der Rest in Wahlprogramme.

Laut ESA-Konvention werden von den nationalen Beiträgen mindestens 90 Prozent an Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen des jeweiligen Landes in Form von Aufträgen vergeben. Bei diesen Rückflüssen liegt Österreich laut Pseiner "gut". Außerdem könnten die im Raumfahrtbereich tätigen österreichischen Unternehmen diese rückflussfähigen Mittel durch Aufträge am kommerziellen Markt noch verdoppeln.

Das "Nationale Raumfahrtprogramm"

Im Jahr 2000 wurde in Österreich ein "Nationales Raumfahrtprogramm" beschlossen, u.a. mit dem Ziel, die Effizienz der ESA-Mitgliedschaft zu steigern. Pseiner und Egerth orten hier einen "hervorragenden Trend": Vor zehn Jahren sei fast die Hälfte des Gesamtanteils der Industrieleistungen Österreichs im Bereich mechanischer Bodenausrüstung gelegen, etwa um Satelliten in den Fertigungshallen zu bewegen. "Dieses Segment ist de facto verschwunden, wir reden heute nur mehr über High-Tech-Produkte, die direkt am Satelliten oder Launcher platziert sind. Wir haben unser Portfolio massiv verändert."

Spektakuläre Beispiele dafür waren in den vergangenen Monaten die beiden ESA-Missionen "Mars Express" zum Mars und Cassini-Huygens zum Saturn und seinem Mond Titan. An beiden Raumfahrzeugen bzw. an der Datenauswertung waren österreichische Wissenschafter beteiligt und haben österreichische Unternehmen Flug-Hardware geliefert.

In Österreich hat man im Rahmen der jüngsten Forschungsförderungsreform auf die geänderten Rahmenbedingungen reagiert und die Agentur-Funktion der ASA aufgewertet. Innerhalb der FFG bildet sie nun als Agentur für Luft- und Raumfahrt "die immer wichtigere Schnittstelle zur ESA und ist damit Garant dafür, das österreichische Firmen faire Wettbewerbsbedingungen vorfinden und kein Geld in Paris (dem Hauptsitz der ESA, Anm.) liegen bleibt", so Pseiner.(APA)

Share if you care.