Hagelgewitter zum Ende der Rekord-Hitzewelle

31. Mai 2005, 15:23
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Nach dem heißen Wochenende gab es Montagnachmittag im Westen und Norden Gewitterwarnung

Warm-kalt hat es uns das Wetter am Montag gegeben. Wurden am frühen Nachmittag noch Mai-Rekordwerte erreicht, brachte der Abend Gewitter, Regen und Abkühlung. Auch der Juni fängt wettermäßig dagegen bescheiden an: Regen und unterdurchschnittliche Temperaturen sind prophezeit.

32,9 Grad Celsius wurden in Wien gemessen und der bisherige Rekordwert vom 11. Mai 1958 damit um drei Zehntelgrad übertroffen. In Eisenstadt kam man auf 32,8 Grad, was ebenso einen neuen Mai-Höchststand bedeutete. Die Meteorologen sind angesichts der Maxima aber nicht sonderlich aufgeregt: Schließlich seien die Temperaturen über 30 Grad, die vor zwei Jahren schon Anfang Mai geherrscht haben, weitaus rekordverdächtiger.

Abkühlung

Mit den Höchstständen ist es für die kommenden Tagen ohnehin vorbei. Nach den prognostizierten Gewittern mit Hagelschauern Montagabend kühlt es um gut zehn Grad ab, erst am Freitag wird es nach der Vorhersage wieder besser werden. Die von Frankreich kommende Kaltfront, die auf die tagelange Hitzewelle in Österreich folgt, beunruhigte die Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) so sehr, das sie die zweithöchste Gewitterwarnstufe ausgaben.

Diese Gewitter entstehen, indem die heiße Luft in höhere, kältere Atmosphären aufsteigt und sozusagen Platz macht für die einströmenden kälteren Luftmassen (siehe Grafik). Dabei wird der gasförmige Wasserdampf, der in der warmen Luft enthalten ist, komprimiert. Der Dampf wird zu Eis, so genannte Schloße entstehen.

Eis entsteht praktisch in jeder größeren Gewitterwolke, meist sind die Schloßen jedoch so klein, dass sie auf ihrem Weg abwärts schmelzen und lediglich als dicke Regentropfen vom Himmel fallen. Lediglich in rund zehn Prozent der Gewitterwolken werden die Schloßen so groß, dass sie als Eis den Erdboden erreichen.

Die schwersten Hagelgewitter

Das schwerste Hagelgewitter in jüngerer Zeit in Österreich ereignete sich am 22. Mai 1990 in der Gegend um den niederösterreichischen Weinort Langenlois. Verheerend war damals nicht einmal die Größe der Schloßen, sondern die ungewöhnliche Länge des Ereignisses. 40 Minuten lang dauerte es und bedeckte Teile des Waldviertels mit einer dicken Schicht aus Hagelkörnern. Die Eismasse erreichte an manchen Stellen eine Dicke von bis zu einem halben Meter, 21,8 Millionen Euro betrug der Schaden.

Dass diese Region und das oststeirische Hügelland am meisten unter Hagelgewittern leiden, liegt an den Geländeformationen. Hier sind häufig die "idealen" Bedingungen dafür gegeben, vor allem labile thermische Schichtungen, starke Aufheizung einzelner Geländestriche durch die Sonne und feuchte Luftströme. (APA, moe/DER STANDARD; Printausgabe, 31.5.2005)

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