Die vergessenen Aktionäre

12. Juli 2005, 15:31
3 Postings

Was für die Aktionäre und den Erfolg zählt, ist ganz allein die Summe unterm Strich - Ein Kommentar von Renate Graber

Gerhard Randa hat es gut. Just im großen Jubeljahr der Republik, dem sich die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) durch Addition der Geschichte der in ihr wie russische Puppen steckenden Zentralsparkasse, Länderbank und Creditanstalt mit einem 375-Jahr-Jubiläum angeschlossen hat, ist er nicht mehr in BA-CA-Diensten, wenn die Bank wieder in neuen Händen landet. Und das alles ohne sein Zutun.

Diesmal soll die BA-CA via Mutter HypoVereinsbank (HVB) in italienisches Eigentum kommen; Alessandro Profumo von der UniCredito will rund 22 Euro je HVB-Aktie zahlen. Zum - schmerzhaften - Vergleich: Im Juli 2000 hatte BA-CA-Chef Randa in seiner Rolle als Eigentümervertreter in der AVZ-Stiftung für den von ihm eingefädelten Verkauf an die Münchner plädiert. Die BA-CA-Aktionäre durften ihre alten Papiere eins zu eins in HVB-Aktien umtauschen. Das war im Februar 2001, zu einem Kurs von 62 Euro.

Seither sind fünf Jahre die Isar hinuntergegangen. Viel Geld ist mitgeschwommen: In den vergangenen drei Jahren hat die HVB sechs Milliarden Euro in den Sand gesetzt, rund 11.000 Mitarbeiter abgebaut. Der Aktienkurs hat sich entsprechend verhalten: Er liegt bei rund 20 Euro - und das ist schon eine Erholung: Der historische Tiefststand der HVB-Aktie an der Frankfurter Börse war im März 2003 mit 5,85 Euro erreicht.

Andersherum und rückblickend gesagt: Die HVB, mitsamt ihrer viel gerühmten Perle fürs Ostgeschäft BA-CA, ist heute um zwei Drittel weniger wert als vor rund fünf Jahren. Wieder andersherum gesagt: Randa - er wurde vom amtierenden BA-CA-Chef Erich Hampel neben Creditanstalt-Gründer Anselm von Rothschild zum wichtigsten Manager in der Historie der Bank gekürt - hat diese im Jahr 2000 an eine selbst frisch fusionierte bayerische Bank verkauft. Von der sich bald herausstellen sollte, dass sie infolge teurer Kredit-Flops und des flauen Deutschland-Geschäfts schwer unter Druck stand.

Was für den Deal sprach, werden die Beteiligten heute nicht müde zu betonen: Die HVB hat die verlustreichen Auslandsengagements der Wiener geschluckt. Die BA-CA war, und das bestreitet heute nicht einmal mehr Randa, 1999 durch Milliarden-Schilling-Wertberichtigungen in Russland am Rande ihrer Existenz angelangt; Flops in Argentinien und den USA machten das Ganze zu einer explosiven Mischung. Die HVB kappte die Zündschnur, war Retter in der Not. Zumal sie den Wienern das gewinnträchtige Geschäftsfeld Osteuropa überlassen hat. Was freilich auch einmal erwähnt gehört: Letztlich ist es völlig unerheblich, welche Konzerntochter welchen Beitrag abliefert. Was für die Aktionäre und den Erfolg zählt, ist ganz allein die Summe unterm Strich.

Und das gilt für alle Aktionäre; ob sie nun Lieschen Müller oder UniCredito heißen. Egal, wie die Übernahmegespräche enden, eines ist jedenfalls schon heute sicher: In den vergangenen Jahren waren die größten Verlierer im Konzern die Aktionäre. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2005)

Share if you care.