"Non" in erster Linie Denkzettel für eigene Führung

30. Mai 2005, 19:43
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Umfrage: Soziale Ängste und Enttäuschung über Chirac als Motive genannt

Paris - Die Angst vor Arbeitslosigkeit war laut einer Analyse ein wichtiger Grund für die Franzosen, die EU-Verfassung abzulehnen. Laut einer am Montag veröffentlichten TNS-Sofres-Umfrage für die Tageszeitung "Le Monde" erklärten 46 Prozent der Verfassungsgegner, die Annahme des Vertrages würde zu höherer Erwerbslosigkeit in Frankreich führen. Zwei Fünftel erklärten, sie hätten mit dem Nein allgemein ihre "Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation" zum Ausdruck bringen wollen.

35 Prozent hofften, mit der Ablehnung der europäischen Verfassung Nachverhandlungen zu erzwingen, 34 Prozent bezeichneten das Vertragswerk als "zu liberal", ebenso viele als "sehr schwer verständlich". 80 Prozent der Verfassungsgegner erklärten, das Nein werde weder die Position Frankreichs in Europa noch den europäischen Einigungsprozess schwächen.

Der Direktor des Meinungsforschungsinstituts CSA, Roland Cayrol, sprach in einem Interview mit der Zeitung "Le Parisien" von einer "sozialen Protestwahl". Drei Viertel der Arbeiter, zwei Drittel der Angestellten und eine Mehrheit der Handwerker hätten Nein zur französischen Regierung und den europäischen Entscheidungsträgern in Brüssel gesagt.

Die Linke habe den Verfassungsgegnern zum Sieg verholfen. 52 Prozent der Anhänger der Sozialistischen Partei (PS), 61 Prozent der Grünen und 92 Prozent der Anhänger der Kommunisten (PCF) hätten die Verfassung abgelehnt. Sie hätten nicht noch einmal - wie schon bei der Präsidentenwahl 2002 - für Staatspräsident Jacques Chirac stimmen wollen, sagte Cayrol. Danach hätten sie das Gefühl gehabt, dass dies nichts gebracht habe. Im Mai 2002 hatten alle demokratischen Parteien in Frankreich Chirac in der Stichwahl gegen den Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen unterstützt.

Insgesamt lehnten am Sonntag 54,9 Prozent der Franzosen die Verfassung ab. Nur in vier der 22 Regionen überwogen die Ja-Stimmen: im Elsass (53,4 Prozent), der Hauptstadtregion Ile-de-France (54 Prozent) sowie in Westfrankreich, nämlich in der Bretagne (50,9 Prozent) und im Pays-de-la-Loire (50,1 Prozent). Am niedrigsten lag die Zustimmung in der ländlich geprägten Region Picardie in Nordfrankreich (35,0 Prozent) und im Nord-Pas-de-Calais (35,1 Prozent), wo nach dem Sterben der Schwerindustrie hohe Arbeitslosigkeit herrscht. (APA/AP)

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