Leben ist nicht gleich leben

31. Mai 2005, 07:00
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"Ich mach mich stark für dich" - beim Schutz des menschlichen Lebens wird noch stark unterschieden - ein Kommentar

So ein "Tag des Lebens" gibt Hoffnung - auf Leben, auf Bewusstsein fürs Leben, und zwangsläufig auch den Tod. Wenn denn noch wer an so Tage und ihre Wirkung glaubt. Aber immerhin, sie sind von Aktionen begleitet. Meist interessieren sich auch Medienleute dafür. Themen können transportiert werden - erst recht, wenn so ein Tag international ausgerufen wird.

Österreich steht am 1. Juni der "Tag des Lebens" ins Haus; initiiert von der "Aktion Leben". Unter dem Motto "Ich mach mich stark für dich" geht es um den Schutz menschlichen Lebens in allen Phasen und Lebenslagen ... wirklich ehren- und umsetzungswert. Sind wir aber genauer und schauen uns die katholischen Aktionen dazu an, so wissen wir gleich, dass es nicht nur um Menschenrechte geht (für Menschen, egal ob jung, alt, krank, von anderer Herkunft oder anderer Religion - laut Gottesdienstbehelf zum Tag), vielmehr geht es zahlreichen sogenannten LebensschützerInnen ausschließlich um die Ungeborenen. Und damit haben Frauen schon verloren. Denn es geht um die Abschaffung der Fristenlösung, einem Frauenrecht, einem Menschenrecht.

Individuum

Ein "Tag des Lebens" muss sich - per Definition - wahrlich mehr Leben und Rechten widmen ... mehr Rechten individueller Lebensplanung und -gestaltung gerade auch von Frauen in Kinderplanungshinsicht - mehr der Definition von Leben. Nicht derjenigen, wann die Zelle als Mensch zu gelten hat sondern vielmehr jener, wie denn Leben für all jene lebenswert und würdig gestaltet werden könnte, die schon leben, die bereits auf der Welt sind.

Es geht ums Leben - für alle ... und so ein "Tag des Lebens" kann darauf hinweisen und Bewusstsein schaffen. Wenn gewollt. Oder er zementiert alt bekannte Probleme und Strukturen (unter anderem geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen und eine heterosexistische Weltsicht) und hat nicht eine offene und freie Gesellschaft für alle zum Ziel, Leben für alle also - egal welcher Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, Familienplanung, welchen Alters. So greift dieser Tag zumeist zu kurz, polarisiert und greift Frauenrechte an - auch wenn die Organisation dahinter das vielleicht nicht wollte. Aber ups, sie weiß es - seit Jahren ...

Von Daniela Yeoh

31. Mai 2005
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