Qualitätssiegel und Werber-Traum

30. Mai 2005, 13:40
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Multimedia-Staatspreis: Preisträger erzählen, welchen Effekt die Auszeichnung für sie hatte

"Ehre, wem Ehre gebührt", sagt Oliver Wagner vom International Center for New Media (ICNM). Seit 1997 vergibt das ICNM im Auftrag des Wirtschaftsministerium den Multimedia Staatspreis für besonders innovative Ideen und Projekte aus diesem Bereich. Für die derart Ausgezeichneten bleibt die Ehre zunächst die einzige Prämie: Denn im Unterschied zu Innovations-oder Förderpreis, die jeweils mit 3000 Euro dotiert sind, gibt es für die Staatspreisträger kein finanzielles Zuckerl. "Es geht dabei ja vor allem um die mit dem Preis verbundenen öffentliche Aufmerksamkeit", erläutert Projektleiter Wagner. "Und die kann sich auf lange Sicht dann natürlich schon bezahlt machen."

Eine Ansicht, die Dieter Rietsch teilt: Sein Unternehmen Prokom wurde vor drei Jahren für die Errichtung des Webportals der Firma Intersport ausgezeichnet. "Über diese Webpage können ski-oder snowboardbegeisterte Urlauber ihr Equipment international buchen", erinnert sich Rietsch und fügt hinzu: "Die Verleihung des Staatspreises hat unserem Image sicher sehr gut getan." Und obwohl das Unternehmen nach einer Fusion mittlerweile als Elements.at auftritt, profitiere man auch heute noch: "Das Intersport-Projekt weckt immer wieder das Interesse von Kunden aus dem touristischen Bereich - der Staatspreis als Qualitätssiegel ist dabei kein Nachteil", so Rietsch.

Andere Erfahrungen hat Günther Steinwender, Geschäftsführer des Klagenfurter Multimedia-Dienstleisters Webwerk, gemacht: "Direkt in Kärnten hat das überhaupt keinen Effekt gehabt." Trotz enormen Echos vor allem seitens regionaler Medien habe er kein gesteigertes Interesse von kleinen oder mittleren Kärntner Betrieben wahrnehmen können. "Allerdings", relativiert Steinwender, "Kleinprojekte gehören also ohnehin nicht zu unseren Kernkompetenzen."

Seit der Auszeichnung im Jahr 2000 konnte Webwerk seinen Umsatz von rund 400.000 auf 650.000 Euro 2004 steigern. Und obwohl Steinwender keinen Zusammenhang zwischen dem Umsatzzuwachs und der Verleihung des Staatspreises herstellen will, sagt er: "Publicity hat's auf jeden Fall gebracht - und das schadet ja nie.

Nicht nur für nicht schädlich, sondern sogar für "unbezahlbar" hält Burkhard Strasser die mediale Aufmerksamkeit, die den Staatspreisträgern zuteil wird. Sein Projekt Alp Media Plan, ein kostenloses Webtool zur Planung von Werbekampagnen in Skigebieten, wurde 2003 ausgezeichnet. Seither hat sich Strassers Firma etabliert, Werbeflächen auf über 1000 Gondeln und Skiliften in Österreich, Deutschland und der Schweiz können über das Alp Media Portal gebucht werden - und Strasser will weiter ausbauen: "Demnächst weiten wir unsere Aktivitäten auf Tschechien und die Slowakei aus", so Strasser und resümiert: "Wir setzen eine ganze Reihe an Marketingaktivitäten, da ist es nicht einfach, den Effekt des Staatspreises herauszufiltern. Aber die öffentliche Aufmerksamkeit, die mit der Vergabe verbunden ist - der Traum eines jeden Werbefachmanns." (ansl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 5. 2005)
Noch bis 3. Juni könnenn Projekte für den Multimedia-& E-Business-Staatspreis 2005 eingereicht werden. E-Mail: staatspreis@icnm.net

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