NÖ: Betrügerbande entlarvt

30. Mai 2005, 18:02
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Mit gefälschten Dokumenten in Österreich Handys erbeutet und im Ausland weiterverkauft - Fünf Personen in Haft, 181 angezeigt

St. Pölten - Die Aktivitäten einer Betrügerbande haben niederösterreichische Kriminalisten aufgedeckt. Fünf Personen sind in Haft, 181 wurden angezeigt. Die organisierte Gruppe war auf Betrugshandlungen mit Handys spezialisiert, der Gesamtschaden wurde von der NÖ Sicherheitsdirektion mit 350.000 Euro beziffert.

Seit Juli vergangenen Jahres waren mit gefälschten Meldezetteln bei verschiedenen Filialen von Mobiltelefonbetreibern Verträge abgeschlossen worden. Die dabei erbeuteten rund 450 Handys wurden sofort nach Polen gebracht, entsperrt und am Schwarzmarkt weiterverkauft.

Die aus Polen stammenden mutmaßlichen Haupttäter heuerten in diesem Raum zumeist sozial schwache bzw. arbeitslose Personen an, die über Reisepässe verfügten. Sie mussten ihre Daten bekannt geben, worauf in Polen mittels PC gefälschte ZMR-Meldebestätigungen hergestellt wurden.

Für die Fahrt nach Österreich wurden anfangs 35 Euro und nach entsprechendem Andrang nur mehr 25 Euro ausbezahlt. Zumeist reisten diese "Mitarbeiter" in Begleitung von einem der "Chefs" mit zwei Fahrzeugen ein. Pro Person wurden unter Vorlage des Reisepasses und der gefälschten Meldebestätigung zwei Mobiltelefone erworben und am gleichen Tag freigeschaltet.

Verrechnung per Erlagschein

Die Verrechnung sollte teils per Erlagschein und teils über Konten erfolgen, wozu die Haupttäter einige Konten fingiert eröffneten und die dazu erhaltenen Kontokarten durch die jeweiligen "Käufer" vorlegen ließen. Die zugehörigen SIM-Karten wurden bereits in Österreich an Landsleute verkauft und von diesen bis zur Sperre verwendet, wobei alleine bei einigen Karten mehrere tausend Euro Schaden aufgelaufen sind.

In Zusammenarbeit mit der Grenzkontrollstelle Drasenhofen wurde eine Lieferung von acht Mobiltelefonen abgefangen, vier Verdächtige wurden vorläufig in Verwahrung genommen. Auf Grund des Geständnisses eines Täters konnten auch mehrere Einbrüche in Zigarettenautomaten sowie zwei Geschäftseinbrüche in Wien geklärt werden. Zwei weitere Verdächtige wurden wegen Raubes und einiger Kfz-Einbrüche in Wien angezeigt.

Multiple Identitäten

Fünf mutmaßliche Haupttäter im Alter von 23 bis 53 Jahren sind in Haft, drei weitere zur Verhaftung ausgeschrieben. Einem der Festgenommenen wurde die Verwendung von vier Identitäten nachgewiesen. Die große Anzahl von Mittätern resultiert daraus, dass auf Grund der internen Sperrvermerke jeweils nur ein Vertragsabschluss möglich war.

Im Zuge der seit Oktober 2004 laufenden Erhebungen wurde bekannt, dass im Raum Graz eine ungarische Organisation ähnlich operierte und dabei einen Schaden im Ausmaß von 35.000 Euro verursachte. 31 Verdächtige wurden ausgeforscht und angezeigt, vier festgenommen. (APA)

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