Was Österreichs Manager als Bedrohung sehen

6. Dezember 2005, 11:45
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Eine Studie über die Ängste in Managementetagen vor Markt- und Strukturwandel

Der Konkurrenzkampf durch Markt- und Strukturwandel ängstigt heimische Manager am meisten, ergab eine Studie der Wiener Wirtschafts-Uni.

Konkurrenzdruck und ein wesentlich schärferer Wind in den oberen Unternehmensetagen finden auch in einer aktuellen nationalen Umfrage ihren Ausdruck. Zuletzt hatte Booz Allen Hamilton vorgerechnet, dass die Ablöse von Chief Executive Officers (CEO) im vergangenen Jahr eine Rekordhöhe erreicht hat. Der Druck auf europäische Topmanager sei besonders groß. Demnach können europäische Manager nur 2,5 Jahre mit der Nachsicht ihrer Aufsichtsräte rechnen. Der kurzfristige Leistungsdruck habe Rekordniveau erreicht.

Die Machtkonzentration in der Unternehmenslandschaft vor dem Hintergrund des Markt- und Strukturwandels macht Frauen und Männern in Österreichs Managementetagen (fast 60 Prozent) auch die größte Angst. Das ergab eine aktuelle Studie von Helmut Kasper, Uni-Professor für Change Management und Management Development und Leiter des Post-Graduate-Managementlehrganges an der Wiener Wirtschafts-Uni.

"Dabei geht es ganz stark um die Bedrohungsszenarien für die eigene Karriere in einem immer enger werdenden Markt", interpretiert Jürgen Mühlbacher, mit der Befragung in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte (124 Topmanager und -managerinnen und 121 Menschen im mittleren Management) betraut.

Mühlbacher: "Es zeigt sich auch an der Einschätzung der notwendigen Zukunftskompetenzen, dass sich das mittlere Management möglichst schnell klassische Führungsmethoden aneignen möchte."

Unsicherheit über den Einfluss von Politik und Gewerkschaft, Preisdruck und Veränderungen des Rechtsrahmens (etwa Umweltschutzauflagen) folgen im Ranking der "Bedrohung". Dicht folgt die "Konjunktur" (vor allem die EU-Binnennachfrage) als Bedrohungsfaktor.

Fast alle Manager sehen die EU-Erweiterung als Chance. Mehrheitlich gilt das auch für die Globalisierung und zu einem sehr hohen Anteil auch für den Wertewandel in der Bevölkerung. Österreichs Wirtschaftsführung also auf dem richtigen Internationalisierungsweg? Helmut Kasper relativiert diese Ergebnisse: "Nur knapp 14 Prozent der Erweiterungsbefürworter setzen auf interkulturelle Kompetenzen als wichtigsten Faktor der Humanressourcen. Es wird einfach erwartet, dass sich die neuen Beitrittsländer anpassen und für die Internationalisierung die bereits im Unternehmen vorhandenen Kompetenzen ausreichen." Kasper sieht dies als "Defizit".

Zusätzlich kritisiert er mangelnde Investitionen in Kompetenzentwicklung und in Innovation. Das schaffe das Bedrohungspotenzial der "Abwanderung der Innovationskraft in die neuen EU-Länder". (kbau, Der Standard, Printausgabe28./29.5.2005)

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