Alkohol-Konsumenten immer jünger

31. Mai 2005, 10:25
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1,2 Millionen Österreicher abhängig oder durch Missbrauch gefährdet - 15-Jährige bereits alkoholkrank

Grado/Wien - Österreich als "Wirtshaus" der Alkoholkranken und Gefährdeten. 1,2 Millionen Österreicher sind vom Alkohol abhängig oder konsumieren ihn missbräuchlich in einem gefährlichen Ausmaß. Dabei werden die Problem-Patienten immer jünger. Sogar 15-Jährige müssen schon als Abhängige stationär zur Entziehung aufgenommen werden, erklärte der Leiter des Anton Proksch Instituts in Wien, Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (22. bis 28. Mai).

"Wir haben immer mehr Jugendliche, die viel Alkohol trinken. Bei den 16- bis 20-Jährigen haben zehn Prozent einen Alkoholmissbrauch. Sie sind ein viel stärkerer (Alkohol-)Markt. Wir sehen bereits Elf-, Zwölf- und 13-Jährige mit Alkoholmissbrauch. Die jüngste Patientin, die wir aufgenommen haben, war erst 15 Jahre. Sie war hochgradig alkoholkrank", warnte der Chef der größten Suchtklinik Europas in einem Seminar zum Thema "Alkoholkrankheit", das bis zum Wochenende im Rahmen des Fortbildungskongresses veranstaltet wurde.

Die Fakten

- 1,2 Millionen Österreicher sind entweder alkoholabhängig oder Alkohol-Missbraucher (18 Prozent der Bevölkerung, 29 Prozent der Männer/930.000 und neun Prozent der Frauen/270.000).

- Alkoholkrank sind 330.000 Personen oder fünf Prozent der Gesamtbevölkerung (265.000 Männer/acht Prozent und zwei Prozent der Frauen/65.000).

- Alkoholmissbrauch betreiben 870.000 Österreicher und somit 13 Prozent der Menschen (665.000 Männer/21 Prozent und 205.000 Frauen/sechs Prozent).

Die Harmlosigkeitsgrenze in Sachen täglicher Alkoholkonsum liegt bei 20 Gramm reinen Alkohols. Das sind ein Krügel Bier oder ein Viertel Wein. Die Gefährdungsgrenze liegt bei drei Krügel Bier oder drei Viertel Wein bei Männern und zwei Krügel Bier bzw. zwei Viertel Wein bei Frauen.

"Entspannungsachterl"

Doch die Mengengrenzen sind kein guter Indikator für die Gefährdung. Musalek: "Das wirkliche Problem beginnt bei regelmäßigem bzw. täglichem Alkoholkonsum und vor allem, wenn jemand Alkohol als 'Medikament' einsetzt." Das "Entspannungsachterl" ist damit nicht wirklich zielführend. Vor allem: Gerade solche Menschen geraten oft schnell in eine Dosissteigerung hinein.

Vorurteile sind falsch, früheste Hilfe ist angesagt. Der Experte: "Wir leben alle in einem massiven 'Wirtshaus'. Nur wenn einer nicht mehr mitkommt, ist er plötzlich ein 'Trankler'. Es gibt kaum einen Patienten, der 'aus Jux und Tollerei' zum Alkoholiker geworden ist. Es kann jeder von uns Alkoholiker werden, wenn er lang genug trinkt. Bei den Jugendlichen sind die Betroffenen fast alle Personen, die massive Schwierigkeiten in der Kindheit gehabt oder psychiatrische Probleme haben." (APA)

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