Gaszählerzählung, Teil 3

30. Mai 2005, 19:45
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R. freute sich. Die Energieversorger hatten ein Geschenk geschickt. Nach dem Öffnen des zweiten Briefes...

Es war am Freitag. Da habe er sich, erzählt R., gefreut. Denn in seinem Briefkasten waren drei Briefe von der Firma Wienstrom. Genauer gesagt: Zwei Briefe und ein gelber Postamt-Abhol-Zettel. Und als er dann das Paket geholt hatte, freute er sich, sagt R. Denn die Energieversorger hatten ein Geschenk geschickt: Ein Funk-Aussenthermometer: Man entschuldige sich für die Verwechslungen und Irrtümer bei seiner Gas- und Stromanmeldung. Und für die Gebühreneinzieherei ohne Ermächtigung. Da, wiederholt R., habe er sich wirklich gefreut.

Rückblende

Schließlich (siehe Stadtgeschichten „Der verleugnete Gaszähler“ und „Gaswerkblues – Teil 2“) hatten die Gas- und Strommenschen konsequent Mist gebaut: Über Wochen hinweg hatten R. und seine Nachbarin – beide frisch in ein Haus in Margareten eingezogen - zum Einen versucht, Wienenergie klar zu machen, wem welcher Stromzähler im Stiegenhaus gehörte (Wienenergie hatte die Zähler immer wieder der jeweils der falschen Wohnung zugeordnet) und – zum Anderen – versucht zu beweisen, dass da tatsächlich auch zwei Wohnungen mit je einem (von Wiengas bereits in Betrieb gesetzten) Gaszähler wären.

Vergeblich: Das Gaswerk hatte darauf beharrt, dass die beiden Wohnungen an einem gemeinsamen Gaszähler hingen – oder behauptet, dass eine der beiden Wohnungen (welche war nie heraus zu bekommen) mit Strom heize, koche und Warmwasser zubereite. Erst als R. sich höheren Ortes beschwerte, erklärte man sich bereit, das Zweitnaheliegendste (nach der Überprüfung der eigenen Unterlagen) zu tun: Für vergangenen Mittwoch wurde ein Gaszähler-Zähtermin im Stiegenhaus vereinbart. Dann, hatte man beim Gaswerk-Managment erklärt, müsse alles klar sein.

Der Zählerzähler zählt

Am Mittwochmorgen, erzählt R. sei dann ein junger Mann erschienen. Er habe die beiden Gaszähler genau abgezählt. Und sich gewundert: Er solle zwei Gaszähler zählen und Wohnungen zuordnen – obwohl laut seinen Unterlagen alles in Ordnung sei. Für ihn und seine Papiere hatte hier von jeher jede Wohnung, einen Gasanschluss gehabt. Sogar die Seriennummern der Zähler in den Kästen stimmten mit denen am Papier überein. Sicherheitshalber, erzählt R., habe der Gasmann dann auch die Seriennummern der Stromzähler aufgeschrieben. Und kontrolliert, ob die Zähler auch wirklich den richtigen Wohnungen zugeteilt waren: Alles bestens. Papier und Wirklichkeit stimmten überein. Dann, erzählt R., habe der freundliche Gaszähler-Zähler alle Daten an seine vorgesetzte Dienststelle weiter gegeben. Telefonisch. Er, R., und seine Nachbarin, seien da daneben gestanden.

Freilich: Dass nun wirklich alles gut sei, habe er da noch nicht glauben können. Denn der Gasmann habe nun Kaminbefunde gefordert. Aber R. war sich sicher, dass der Rauchfangkehrer den vor etwa sechs Wochen ans Gaswerk geschickt hatte. Jedenfalls hatte der Rauchfangkehrer das damals, bei der Kaminkontrolle, versprochen – und auch so in seine Rechnung geschrieben. Zum Glück war der Rauchfangkehrer telefonisch erreichbar. Er habe, sagt R., sich sofort bereit erklärt, den im Amt verschlampten Befund noch einmal zu faxen.

Die Entschuldigung

Als er dann am Freitag das Entschuldigungs-Geschenk erhielt, sagt R. habe er sich gefreut: Nun sei wohl wirklich endlich alles erledigt. Dann öffnete er den ersten der beiden Wien-Energie-Briefe: Adressiert an ihn. Der Name stimmte. Straße und Hausnummer auch. Und auch die Türnummer war seine. Im Kuvert war die Gaszähler-Anmeldung. Für seine Wohnung (extra mit voller Adresse als „Verbrauchsstelle“ noch einmal angeführt). Sogar mit der richtigen Zähler-Seriennummer.

R. nahm den zweiten Brief: Adressiert an ihn. Name, Straße, Haus- und Türnummer stimmten. R. öffnete das Kuvert. Es war die Strom-Anmeldung. Adressiert an ihn in seiner Wohnung – und als „Verbrauchsstelle“ war drei Zeilen weiter unten die Wohnung seiner Nachbarin eingetragen. Er habe, sagt R., dann lange und laut weinen müssen.

  • Auch als Buch: Die besten Stadtgeschichten aus dem Stadtgeschichten - Archiv - zum Wiederlesen & Weiterschenken.
"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.

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  • Von Montag bis Freitag täglich eine Stadtgeschichte
von Thomas Rottenberg

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