Nur wenige Fonds schlagen den Index

12. Juli 2005, 15:35
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Am besten fahren Anleger mit aktiv gemanagten Fonds der Emerging Markets

Wer ein klares Abbild eines Marktes oder einer Region im Portfolio haben möchte, kauft einen Indexfonds. Der hat besonders niedrige Spesen und bildet in so genanntem passivem Management die Mitglieder des Index 1:1 ab. So kommt der Markt quasi in Miniatur ins Depot. Wer sich Mehrertrag wünscht, setzt auf aktiv gemanagte Fonds und vertraut dem Fondsmanagement, dass es durch Wetten auf Einzeltitel Über- und Untergewichten von bestimmten Aktien mehr Ertrag abliefert als der Gesamtmarkt. Das kostet mehr, höhere Ausgabeaufschläge, höhere laufende Kosten und Gebühren. Damit wird ja die gesamte Infrastruktur der Kapitalanlagegesellschaft für das aktive Management bezahlt.

Überwiegend bleibt es allerdings bei der Hoffnung, was den Mehrertrag betrifft. Das zeigt auch eine aktuelle Studie des Researchhauses e-fundresearch.com unter allen in Österreich, Deutschland und der Schweiz zugelassenen Aktienfonds: Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre konnten nur 21 Prozent der globalen Aktienfonds den Index MSCI World übertreffen. Noch schlechter sieht es in diesem Betrachtungszeitraum für Europa-Aktienfonds aus: Nur sieben Prozent von insgesamt 89 solcher Fonds liegen vor dem MSCI Europe. Bei den US-Aktienfonds schaffen es zwölf Prozent mehr zu verdienen, als der S&P 500-Index abwirft.

Ganz anders der Blick auf aktive Fondsmanager in so genannten ineffizienten Märkten, den Emerging Markets: Mit einer Quote von 47 Prozent konnte sich fast die Hälfte dieser Fondsprodukte besser entwickeln als der MSCI Emerging Markets-Index. 38 Prozent gelang dies bei Japan, 30 Prozent bei Fondsportfolios mit dem Thema Asien ex Japan.

Dabei hat e-fundresearch. com laut Lipper-Fondsdatenbank die Produkte unter die Lupe genommen.

In den vergangenen bei- den Quartalen, so Christian Schreckeis, Fondsanalyst bei e-fundresearch, habe sich die Quote der Outperformer verschlechtert. Warum? "Die Fonds werden immer Benchmark-näher", so Schreckeis. das heißt, sie lehnen sich in ihrer Portfolio-Zusammensetzung immer enger an die Zusammensetzung des jeweiligen Vergleichsindex an. Schreckeis: "Viele aktive Fonds verdienen den Namen eigentlich gar nicht."

Der durchschnittliche Tracking Error, also die Abweichung des Fondsportfolios von der Indexzusammensetzung, lag Ende März 2005 bei den Europafonds auf 5,3. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 6,9. Ein solcher so genannter fallender Tracking Error scheint die große Unsicherheit der Fondsmanager über die Marktentwicklung widerzuspiegeln. Niemand will sich mit Einzelwetten besonders weit aus dem Fenster lehnen. Möglich, dass Anleger ihr aktives Fondsmanagement dahingehend hinterfragen werden. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2005)

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