Foetus: "LOVE"

Christa Hager, 4. Oktober 2005, 11:49
  • LOVE (Birdman Records) erscheint im Juni 2005. Begleitet wird die CD von einer DVD mit Videos.
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    foto: rough trade

    LOVE (Birdman Records) erscheint im Juni 2005. Begleitet wird die CD von einer DVD mit Videos.

  • Konstrukt aus der Filmversion von J.G.Ballards "The Atrocity Exhibition", auf dem Dach von Thirlwells Loft in New York.
    foto: foetus.org/sebastian mlynarski

    Konstrukt aus der Filmversion von J.G.Ballards "The Atrocity Exhibition", auf dem Dach von Thirlwells Loft in New York.

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    foto: rough trade/heung-heung chin

Ein Soundtrack ohne realen Film - mit Interview

J.G.Thirlwell oder auch Foetus, Clint Ruin, Steroid Maximus, Manorexia, Wiseblood, Frank Want: wenige der vielen Namen, die sich der in Australien geborene Künstler während seiner mittlerweile über 25-jährigen Schaffenszeit zugelegt hat. Ende der 70er und Anfang der 80er zu den bekanntesten Protagonisten der Gegenkultur in London und New York zählend, überschreitet er schon seit Beginn an jegliche Grenzen herkömmlicher Musiktraditionen, auch wenn er lange Zeit in die „Industrial“ Schublade gesteckt wurde. Seine Musik folgt jedoch keiner wiederkehrenden Formel.

In stilistischer Hinsicht zeichnet sich Thirlwells Schaffen von Offenheit aus, formale Grenzen lässt er hinter sich: Mal arbeitet er mit Bigband-Elementen, mal mit Stilmitteln der Musique concrete, des Minimalismus oder mit Orchester-Parts, mal wechselt er zwischen World Music, Balladen, Punkrock, Hardcore und industriellem Noise und verpackt all dies nicht nur in eine einzige Platte, sondern oft auch in einen einzigen Song.

"Der Liebe wegen"

Mittlerweile hat Thirlwell an die 50 Tonträger geschaffen, als Ein-Mann Band als auch in Kooperation mit anderen Musikern wie JF Coleman (Cop Shot Cop), Lydia Lunch oder Marc Almond. Als Produzent und Remixer von Bands wie Coil, The The, Front 242, Nine Inch Nails und Red Hot Chili Peppers aktiviert sich Thirlwell auch in anderen Bereichen. Daneben kreiert er seine Albumcover, schreibt Soundtracks für Filme und Cartoons, werkt an Installationen und komponiert ein Auftragswerk für das Kronos Quartet für 2006. Und mit LOVE hat Foetus, diesmal mit Vorname Jim, nun die Liste seiner einsilbigen Vierbuchstabenalben (Gash, Null, Boil, Void, Blow, Flow) erweitert.

Sein neuer Streich füllt unsere Ohren mit Soundlandschaften, die viele seiner Alter Egos vereinen: von Steroid Maximus die orchestralen, von Manorexia die instrumentalen und die auf Gesang basierenden, monströsbrachialen von Foetus. Auf LOVE überbrückt er die Gräben zahlreicher musikalischer Felder, hüpft mit geschickten Arrangements von Stil zu Stil, mit andauernd ändernden Geschwindigkeiten. LOVE strotzt vor Ambiguität und tonalen Allegorien, es ist gefüllt mit Streichern, Schellen, Piano, Bass, Saxophon, Perkussion ... – und dem omnipräsenten Spinette. Im Vergleich zu früheren Foetus-Alben klingt LOVE jedoch fast schon besänftigend, wenngleich nur vermeintlich: Denn weniger die Liebe an sich als vielmehr ihre Schattenseiten werden besungen. Seine Stimme erstreckt sich in Angst, Ehrfurcht und Zynismus, rau und heiser durchlöchern Geheimnisse und Lügen, Gewissen und Zeit die Texte.

Ohrwürmer

Foetus lässt uns an einem musikalischen Film teilhaben, der entlang einer sich stetig ändernden Landschaft verläuft, geprägt von carnevalesquen, oft chansonesquen Melodien (Mon Agonie Douce), apokalyptisch-gotischen Elementen (Blessed Everything), wütenden Metall-Riffs (Aladdin Reverse) , düsteren Atmosphären, die in Thrush mit Glockenspiel und "Clicks & Cuts" durchbrochen werden. In Don’t Want Me Anymore begegnet uns Foetus mit seinem teilweise versteckten Klagen heulend wie der Wind - einzig die Harfenklänge schaffen es, die Agonie zumindest musikalisch zu lockern. Ein leidenschaftlich repetitives Piano schafft in Time Marches On den Hintergrund zur Kurzlebigkeit des Daseins. Und der "alte" Foetus findet sich ganz im letzten, white-noise getränkten, Stück wieder: How to Vibrate.

Sein eindringlicher Gesang sowie die Vielzahl an Genres garantieren für Ohrwürmer. Und dennoch verflacht das Album nicht, es laugt sich nicht aus, da selbst bei außergewöhnlich oftmaligem Zuhören die Vielzahl an geformten, wirren und atonalen als auch versteckten Tönen und Resonanzen das Album neu erklingen lassen.

Thirlwell zu seinen Arbeitsweisen und musikalischen Einflüssen, neuen Alben und weiteren Projekte, seinen Erfahrungen beim Donaufestival in Krems, über Publikum und Security - Weiter klicken zum E-Mail Interview (im Original)

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NAIL, HOLE, THAW und RIFE bitte nicht vergessen!

damit das Ding komplett ist, ausserdem gibt es da noch die Garagemonsters 7" und die WALK remixes für Pantera...

...der Vollständigkeit halber:

Ache, Deaf, York...

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