"Wikinger" kehren ins Oberhaus zurück

5. Juli 2005, 14:19
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Nach zwei Jahren Abstinez gehen die Rieder wieder in der Bundesliga auf Beutezug - Torjäger Kuljic mit 34 Treffern überragend

Ried - Der Volksschullehrer Klaus Roitinger hat die SV Ried in elf Jahren Trainer-Tätigkeit von 1988 bis 1999 von der oberösterreichischen Landesliga in die Fußball-Bundesliga, zum Cupsieg 1998 und ins Achtelfinale des Cupsieger-Cups (1998 3:5 gegen Maccabi Haifa) geführt. Mit HTL-Professor Heinz Hochhauser schaffte ein weiterer Pädagoge den Wiederaufstieg in die höchste österreichische Spielklasse - mit dem 3:2 am Freitag in der 36. Runde der Red-Zac-Erste-Liga im Spitzenspiel in Kapfenberg ist das Meisterstück auch mathematisch perfekt gemacht worden.

Prophezeiungen erfüllt

"Für mich zählt nur der Aufstieg", hatte Hochhauser, der die Rieder schon in der Saison eins nach Roitinger (1999/2000) trainiert hatte und mit Platz fünf die beste Bundesliga-Platzierung der Klub-Geschichte erreicht hatte, bei seinem Amtsantritt im Vorsommer versprochen - und der Ex-Austria-Coach versprach nicht zu viel.

Längst ist Ried nach den Erfolgen der späten 90-er-Jahre nicht mehr der viel belächelte Dorfklub, sondern hat sich in Fußball-Österreich einen Namen gemacht - auch wenn den "Wikingern" nach dem Abstieg 2003 der FC Superfund Pasching den Rang als Oberösterreichs Nummer eins abgelaufen hat.

Egal ob Rekordmeister Rapid, die Austria, Ex-Champions wie Salzburg, Sturm, GAK oder der FC Tirol: Sie alle mussten vor allem in der Fremde die Kampferprobtheit der "kleinen" Rieder anerkennen. Das Rieder Stadion war gefürchteter Boden für Trainer, Ersatzspieler der Gegner, aber auch so manche Schiedsrichter, die ab und zu nur nach einer Bierdusche von der Tribüne wieder in die Kabine kamen. "Damals gab es Fußballfeste im Innviertel. Es war Pflicht ins Stadion zu kommen", erinnert sich Roitinger an die Glanzzeiten zurück.

Neues Schmuckkasterl

Heute steht das fast nagelneue, erstligataugliche Fill-Metallbau-Stadion, das sogar in der Red Zac Ersten Liga oftmals 7.000 Besucher anlockte, in Ried. Die Voraussetzungen für das zweite Erstliga-Gastspiel der Sportvereinigung sind gegeben. Und auch die Euphorie ist nach einer erfolglosen Abstiegssaison - im Vorjahr wurde die Mannschaft enttäuschender Fünfter - mit dem Wiederaufstieg nach Ried zurückgekehrt. Hauptbeteiligt daran: Torjäger Sanel Kuljic.

Der 27-jährige Ex-Paschinger steuerte in der abgelaufenen Saison sensationelle 34 (!) Treffer bei und hatte damit genau doppelt so viele auf dem Konto wie sein erster Verfolger Bubalo (FC Kärnten/17). Kuljic hat bereits angekündigt, dass er zu "99,9 Prozent" in Ried bleibt - möglicherweise ein entscheidender Baustein für den Erfolg in der T-Mobile-Bundesliga.

Erster Meistertitel im Profi-Fußball

Es war übrigens der erste Meistertitel für die knapp 12.000 Einwohner zählende Kleinstadt in den beiden bundesweiten Ligen. 1995 war man als Zweiter hinter dem GAK erst in der Relegation gegen den oberösterreichischen Rivalen FC Linz (2:0 und 1:0) in die 1. Division aufgestiegen.

Organisiert Fußball gespielt wird in Ried seit 1912, bis 1976 im oberösterreichischen Unterhaus, danach in der Landesliga. Von dort traten die Rieder unter Roitinger ihren ersten Beutezug an. Vielleicht folgt unter Hochhauser ein zweiter. "Das ist lange her und nur noch eine schöne Erinnerung. Für uns ist das Wichtigste, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: Den Klassenerhalt. Denn das wird angesichts der Konkurrenz schwer genug", ließ "Professor" Hochhauser die Kirche im Wikinger-Dorf. (APA)

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    Trainer Hochhauser mit dem Meisterteller auf den Spuren der Rieder Trainerlegende Roitinger.

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