Sichrovsky gibt Tätigkeit für Mossad zu

31. Mai 2005, 15:08
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Ex-FPÖ-Generalsekretär: "Ich bin kein James Bond" - Israel wollte Haider als "Brücke" zu arabischen Ländern nützen

Wien - Israel wollte nach Darstellung von Ex-FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider "als Brücke zu arabischen Ländern nützen". Wie das Wiener Nachrichtenmagazin "profil" laut Vorausmeldung in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, nimmt der ehemalige Europaabgeordnete für sich in Anspruch, jahrelang mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad zusammengearbeitet und Haiders erste Visite beim inzwischen gestürzten und inhaftierten irakischen Staatschef Saddam Hussein eingefädelt zu haben.

Der frühere FPÖ- und jetzige BZÖ-Chef Haider erklärte laut "profil" zu dem "Outing" des 2002 als Generalsekretär der Freiheitlichen zurückgetretenen Publizisten und Journalisten, es habe "von Anfang an in der Partei Warnungen gegeben, Sichrovsky sei vom Mossad entsandt. Aber es gab keine konkreten Hinweise. Ich halte das für einen Blödsinn."

"Ich wollte Israel helfen"

Peter Sichrovsky räumte gegenüber "profil" ein, bis zu seinem Rückzug aus der Politik mit dem israelischen Geheimdienst kooperiert zu haben, ohne genaue Angaben über seine Tätigkeit machen zu wollen. "Ich wollte Israel helfen und habe sicher nichts Unrechtes getan. Ich bin kein James Bond." Für seine Tätigkeit seien ihm vom israelischen Geheimdienst nur Auslagen ersetzt worden, betonte Sichrovsky gegenüber "profil".

Mossad hat sich für Haiders arabische Kontakte interessiert

Der Mossad habe sich weniger für die FPÖ als für Haiders Kontakte zu arabischen Politikern, allen voran Libyens Führer Muammar Gaddafi, interessiert. "Israel wollte Jörg Haider als Brücke zu arabischen Ländern, mit denen keine offiziellen Kontakte bestanden, nützen", zitiert das Magazin Sichrovsky.

Im September 2001 war Sichrovsky nach Syrien gereist und mit dem damaligen Verteidigungsminister General Mustafa Tlass zusammengetroffen. Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst hatte sich auch Österreichs seinerzeitiger freiheitlicher Verteidigungsminister Herbert Scheibner intensiv um einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah bemüht.

Beschimpfungen von Sichrovsky gegenüber Muzicant

Israel hatte wegen des FPÖ-Regierungseintritts im Februar 2000 seinen Botschafter aus Wien abberufen. Bis Ende 2003 wurde die diplomatische Mission nur auf Geschäftsträgerebene geleitet. Im Jänner 2000 hatte Sichrovsky im israelischen Fernsehen gemeint, die "Einmischung" Israels in die inneren Angelegenheiten Österreichs habe die Popularität Haiders nicht unwesentlich gestärkt. Sichrovsky hatte unter anderem für allgemeine Empörung gesorgt, als er über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, sagte, dieser sei ein "Idiot", "eine aggressive, cholerische, unglaublich geizige" und "hasserfüllte Person", ein "Berufsjude", der "seine toten Verwandten benütze, um ins Fernsehen zu kommen".

Jörg Haider war bei insgesamt drei Irak-Besuchen zwei Mal von Saddam Hussein empfangen worden. Die Begegnungen dokumentierte er in seinem Buch "Zu Gast bei Saddam - Im 'Reich des Bösen'". (APA)

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