Schröder: "Wir brauchen einander"

29. Mai 2005, 22:04
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Deutscher Kanzler bittet Franzosen "inständig" um Ja - Sozialist Strauss-Kahn zu Annahme des Vertragswerks optimistisch

Toulouse - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Franzosen einen Tag vor dem Referendum über die EU-Verfassung noch einmal zur Zustimmung aufgefordert. "Ein starkes und stolzes Europa ist undenkbar ohne Frankreich", schrieb Schröder in einem Beitrag für die französische Tageszeitung "Le Figaro". "Frankreich, das ein zuverlässiger und unverzichtbarer Partner Deutschlands geworden ist, hat dieses Europa immer gewollt und unterstützt", fügte Schröder hinzu. Er sei "überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger dieses großartigen Landes" noch immer hinter diesem Kurs stünden. In der Geschichte der EU habe es noch keinen Vertrag gegeben, der die "soziale Dimension" so gestärkt habe wie die Verfassung.

"Wir brauchen einander"

Schröder (SPD) hatte auch schon am Vortag die französische Bevölkerung "inständig" um ihre Zustimmung zur EU-Verfassung gebeten. Die französischen Bürger sollten das Vertragswerk bei der Volksabstimmung am Sonntag "aus vollem Herzen und mit kühlem Verstand" befürworten, sagte Schröder am Freitagabend bei einem Treffen der französischen Sozialisten (PS) in Toulouse. "Wir brauchen einander, die Verfassung bringt uns zueinander, noch stärker als in der Vergangenheit", sagte der Regierungschef.

"Man sagt uns, dass das 'Nein' siegen wird", erklärte der ehemalige französische Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn, der Schröder in Toulouse empfangen hatte, mit Blick auf die Umfragen, die einen Sieg der Verfassungsgegner voraussagen. "Aber das französische Volk entscheidet nicht durch Umfragen." Strauss-Kahn zeigte sich daher für eine Annahme der Verfassung durch die Franzosen optimistisch. "Am Sonntag werden wir gewonnen haben", sagte der sozialistische Spitzenpolitiker. Die Welt brauche ein "politisches Europa", da sich "die amerikanische Vorherrschaft überall ausbreitet". (APA)

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    Der deutsche Kanzler Gerhard Schröder mit Dominique Strauss-Kahn (rechts) und Jean-Michel Baylet (links) bei der Bitte um ein "Oui".

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